Aus der Tiefe des Malgrunds

27.8. – 22.10.2021 | Neue Galerie Gladbeck

Cornelius Völker, Kuverts, 2019

Cornelius Völker betrachtet die Details im Alltäglichen. Sein Blick seziert dabei die Dinge aus ihrer Umgebung heraus, sie werden so weit Motive seiner Malerei, dass ihre alltäglichen Eigenschaften zu verschwinden scheinen. Seit 2005 ist Völker, gebürtig aus der für ihre Maler berühmten Stadt Kronach, Professor der Düsseldorfer Kunstakademie, seit drei Jahren sogar Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Als freier Maler arbeitet Cornelius Völker seit 25 Jahren.

Die Städtische Galerie Gladbeck widmet ihm eine Einzelausstellung, als Titelbild hat sie sich für Völkers „Kuverts“, Öl auf Leinwand, von 2019 entschieden. Eine verklausulierte Einladung in die Auswahl. Besonders die jüngsten Arbeiten haben auch andere Blätter im Blick, nämlich jene im botanischen Sinn. Auch das Wort Kuvert als deutsche Abwandlung des französischen couvrir, also verdecken, kann als verschlüsselter Hinweis gelesen werden. Denn die neueren Arbeiten Völkers skelettieren die Farben und die Erscheinung der vordergründigen Motive in seiner speziellen Weise, die der Maler hier noch etwas weiter treibt. Das Gesehene ist nicht nur isoliert im Bildraum platziert, das Blattwerk tritt aus dem dunklen Hintergrund überhaupt erst hervor, wie in der Arbeit „Blätter“. Oder sinken sie in den dunklen Hintergrund ein?

Mit diesen floralen Arbeiten der Jahre 2019 bis 2021 zeigt die Neue Galerie Gladbeck die jüngsten Ergebnisse von Cornelius Völkers Arbeit am Thema der floralen Motive, das in der Kunstgeschichte eines der traditionsreichsten ist und entsprechend zahlreiche Interpretationen erfahren hat. Manche davon sind in Völkers Malerei wiederzuerkennen und weitergedacht. Der schwarze Hintergrund macht die Vanitas, die einer lebendigen Pflanze als Motiv immer auch innewohnt, spürbar. Trost verspricht zugleich der Aspekt der Wiedergeburt, mit dem die jedes Frühjahr neu entstehenden Blätter der meisten Pflanzen ebenso in Verbindung stehen. Die Auferstehung aus dem Dunkel wird im sich aus Völkers Bildhintergrund erhebenden Grün nachvollziehbar.

Völkers florale Sujets treffen offenbar ein Bedürfnis des Publikums und sind entsprechend gern gezeigt. Die Lippische Gesellschaft für Kunst zeigt in Detmold fast zeitgleich die Einzelausstellung „dann leben wir eben später“, kürzlich erst zeigte die Overbeck-Gesellschaft Lübeck seine Personale „Verflüchtigungen“. Aber gerade in der Neuen Galerie Gladbeck mit ihren brutalistisch aus Beton geformten Ausstellungsräumen wirken die Anspielungen seiner Malerei besonders. Hinzu kommt die Geschichte der Galerie, die Anfang der Nullerjahre noch von öffentlichem Geld leben konnte. Nachdem sich abzeichnete, dass diese Finanzierungsquelle für eine gedeihliche Zukunft des Hauses nicht mehr ausreichen würde, gründete sich ein Trägerverein, der das Haus in die finanzielle Unabhängigkeit führen sollte. Der Plan gelang, zusammen mit öffentlicher Förderung und privaten Spenden blühte die Galerie nach einem Umbau als Neue Galerie Gladbeck wieder auf.

 

 

Cornelius Völke
27.8. – 22.10.2021
Neue Galerie Gladbeck
Bottroper Str. 17
D-45964 Gladbeck
Tel.: +49-2043-3198371
Mi – So 15 – 20 Uhr
Eintritt ist frei
www.galeriegladbeck.de

Text: Jan Bykowski
Bild: Neue Galerie Gladbeck
Erstveröffentlichung in kunst:art 80