Bella, Ciao!

bis zum 27.8.2023 I Belvedere 21 Wien

Constanze Ruhm, A Shard is a Fragment of a Life, 2023 (Filmstill)

Constanze Ruhm im Belvedere 21, Museum für zeitgenössische Kunst Wien

Im Rahmen der 300-Jahr-Feier des Schlosses Belvedere wird auch die Bedeutung des Films im Kanon der österreichischen Kunstgeschichte gewürdigt. In der Ausstellung „Come une pupilla al variare della luce“ (“Wie eine Pupille im Wandel des Lichts”) präsentiert Constanze Ruhm verschiedene Ansätze zu einem Thema, das sie seit vielen Jahren untersucht und erforscht: den feministischen Blick. Von ihrer eingehenden Untersuchung französischer feministischer Künstlerinnen in der Vergangenheit verlagerte Ruhm ihren Fokus auf die der feministischen Bewegung im Italien der 1970er-Jahre und ihrer Kunstproduktion. Sie möchte die Werke und Ideen dieser italienischen feministischen Avantgarde einem neuen Publikum vorstellen, um deren Erbe vor der Vergessenheit zu bewahren. Ruhm nutzt Filme, die in verschiedenen Umgebungen projiziert werden, historische Fotos und Texte, eine Fotorekonstruktion einer Session feministischer Bewusstseinsbildung und Originalwerke italienischer Künstlerinnen, um eine unheimliche, fast archäologische Atmosphäre in einer Ausstellung zu schaffen. Diese findet auf der unteren Ebene des Museums statt, buchstäblich „underground“.

Dieser Impuls, zu forschen und zu lehren, wird sicherlich durch Constanze Ruhms Tätigkeit als Professorin für Kunst und digitale Medien an der Akademie der bildenden Künste in Wien beflügelt und verstärkt. Ihre eigenen akademischen Anfänge in der Mediengestaltung machte sie in der Klasse des Medienkunst-Experten Peter Weibel an der Universität für angewandte Kunst Wien, bevor sie eine Professur für Film und Video an der Merz Akademie Stuttgart antrat. Seit 2006 ist Constanze Ruhm an der Akademie der bildenden Künste Wien tätig. Sie ist bekannt für ihre Hingabe und ihr Interesse an ihren Studierenden. Ähnlich wie die Frauen — Maria Grazia Chinese, Carla Lonzi, Stephanie Oursler und Suzanne Santoro —, deren Arbeiten und Ideen sie in der Ausstellung vorstellt, unterstützt und ermutigt Constanze Ruhm ihre Studierenden, vor allem jüngere Frauen, aktiv. Damit stellt sich sicher, dass die feministische Bewegung sich weiterhin ausbreitet, trotz der hartnäckigen und anhaltenden Schwächung durch das Patriarchat.

Um die verschiedenen Aspekte der Ausstellung zu verbinden, benutzt Ruhm die Metapher des Spiegels. Ein Spiegel hat viele Verwendungszwecke, von einem Instrument für konkrete optische Zwecke bis hin zu einem, das symbolisch verschiedene Zeitebenen miteinander verbindet. Die Spiegelmythologie scheint fast immer etwas Unheilvolles anzudeuten, von der tödlichen Faszination des Narziss für sein eigenes Spiegelbild über die Anstiftung, Böses zu tun, die die Königin in Schneewittchen von ihrem Spiegel erhält, bis hin zu dem vergeblichen Streben nach ewiger Jugend, das zu Dorian Grays Zerstörung führt. Ruhm treibt die Spiegelmetapher noch weiter, indem sie Scherben und Fragmente von zerbrochenen Spiegeln als Symbole für die zerbrochene feministische Bewegung und die Realität der Gewalt, der Frauen ausgesetzt sind, verwendet.

Die Kunsthistorikerin und Filmexpertin Claudia Slanar ist jetzt die neue Co-Direktorin der Diagonale, dem bedeutendsten Festival des österreichischen Films. Als Kuratorin (2014–2023) des Ursula Blickle Filmarchivs und des Blickle Kinos im Belvedere 21 entschied sich Slanar, mit dieser Ausstellung auf einen historischen Moment in der Geschichte der Museumspraxis in Wien Bezug zu nehmen. Als das Belvedere 21 noch das “20er Haus” hieß und zum Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien gehörte (bevor das MQ Museumsquartier gebaut wurde), eröffnete der Chefkurator dieses Museums, Rainer Fuchs, 1998 das Blickle-Kino-Programm mit einer vielversprechenden jungen Künstlerin. Das Blickle Kino begann mit den Filmen und der einzigartigen künstlerischen Perspektive von Constanze Ruhm – und genau mit ihr schließt Claudia Slanar ihre Ära ab.

Dr. Renée Gadsden studierte Kunstgeschichte an der Brown University und der Universität Wien sowie Bildende Kunst und Kultur- und Geistesgeschichte an der Universität für angewandte Kunst Wien.

Constanze Ruhm. Come una pupilla al variare della luce
bis zum 27.8.2023
Belvedere 21
Arsenalstr. 1
A-1030 Wien
Tel.: +43-1-795570
Di – So 11 – 18 Uhr, Do 11 – 21 Uhr
Eintritt: 9,30 €, erm. 6,90 €
www.belvedere.at

Text: Dr. Renée Gadsden
Bild: Belvedere 21 Wien
Erstveröffentlichung in kunst:art 92

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