Weltentfaltung im Stadtmuseum Innsbruck zeigt Tiroler Barockzeichnungen

27.3.2026 – 26.10.2026 | Stadtmuseum Innsbruck

Simon Benedikt Faistenberger, Krönung Mariens in Gewölbearchitektur, o.J.

Ein intimer Triumph

Die Grafische Sammlung der Tiroler Landesmuseen bewahrt den weltweit größten Bestand an Grafiken des Tiroler Barock. Die Ausstellung „Weltentfaltung: Zeichnungen des Tiroler Barock“ öffnet für uns das Blatt als Denkraum des Werdens: Figuren steigen aus dem Grund hervor, Draperien geraten in Bewegung, Himmelsräume wölben sich in kühnen Perspektiven. Dr. Ralf Bormann, Leiter der Sammlung, hat die Metapher der Falte, wie sie Gilles Deleuze in seinem Buch „Die Falte: Leibniz und der Barock“ (1988) erläutert, als Leitmotiv der Ausstellung gewählt.

Die Falte trennt nicht Innen und Außen, sie verschränkt sie. Genau dies geschieht im zeichnerischen Akt: Jede Schraffur birgt Tiefe, jede Kurve eine implizite Fortsetzung. Der Barock ist bei Deleuze die Epoche, die Falten ins Unendliche treibt, und in den Tiroler Zeichnungen sehen wir genau diese Bewegung – eine Welt, die sich nicht in Punkten, sondern in Kurven artikuliert. Wenn wir die feinen Rötelzeichnungen eines Paul Troger (1698, Welsberg im Pustertal – 1762, Wien) studieren, sehen wir mehr als anatomische Studien. Wir erblicken die Trennung zwischen dem „unteren Stockwerk“ der Materie und dem „oberen Stockwerk“ der Seele, die Deleuze so meisterhaft beschrieb. Das Kleine enthält das Große; im Fragment ist bereits das Fresko angelegt. Die Ausstellung macht diese Blätter als autonome Ereignisse sichtbar, in denen sich das Sakrale und das Profane ineinander verwinden. Betrachtung wird damit selbst zur Bewegung: ein Mitvollzug jener Faltungen, in denen sich Welt im Denken formiert.

Weltentfaltung. Zeichnungen des Tiroler Barock
27.3. – 26.10.2026
Stadtmuseum Innsbruck
Badgasse 2
A-6020 Innsbruck
Tel.: +43-512-53608350
Mo – Fr 9 – 17 Uhr
Eintritt: 4,50 €, erm. 3 €
www.innsbruck.gv.at/stadtmuseum