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Yoko Ono im Gropius Bau Berlin, der Neuen Nationalgalerie und dem Neuen Berliner Kunstverein

11.04. - 31.8.2025 | Gropius Bau

Yoko Ono and John Lennon, Bed-In for Peace, 1969

Friedliches Vorbild

Ist die Realität zu schrecklich und die Ohnmacht zu groß, weicht der Geist manchmal in Fantasiewelten aus. Hier ist alles frei und möglich, die Handlungshoheit ist wieder gegeben. Als Kind wird Yoko Ono aus dem von US-Streitkräften bombardierten Tokio evakuiert. Sie erlebt kriegsbedingte Entbehrungen und lernt sich gemeinsam mit ihrem Bruder in eine geistige Welt zu flüchten. Es ist ihre Art der Überlebensstrategie. Später wird sie versuchen die Geistesschulung ihrem Publikum nahezubringen, auf friedliche Weise durch Instruktionen, nicht als Existenzkampf. Kriege haben sie geprägt und ihrem Werk die Richtung gegeben. Zeit ihres Lebens ist sie Friedensaktivistin mit klarer Haltung.

Schon vor ihrer Ehe mit John Lennon ist sie eine anerkannte Künstlerin, doch ihr radikal neuer Ansatz, das Konzeptionelle, trifft nicht sofort auf Akzeptanz. Die Auffassung, dass die Idee des Werkes mindestens so wichtig wie das Werk an sich ist, geht vielen zu weit. Sie fordert etwas vom Zuschauer, lädt ihn ein zu reflektieren, wie beispielsweise mit „Cleaning Piece“, aktuell zu sehen in der Ausstellung „Yoko Ono: Dream Together“ in der Neuen Nationalgalerie. Hier werden Zuschauer angeregt, über eigene Freuden und Sorgen nachzudenken. Nervenaufreibende Performances, wie „Cut Piece“, in welcher sie auffordert, ihr mit einer Schere die Kleider vom Leib zu schneiden, machen sie vulnerabel und öffnen zugleich einen Raum der Nähe. Später wird ihr von Fans der Beatles vorgeworfen, sie sei für das Ende der Band verantwortlich. Wer Mobbing erlebt hat, weiß, wie hart es ist, eine Gruppe Menschen gegen sich zu haben. Doch wie schrecklich muss es sein, weltweiten Hass auf sich zu ziehen? Wie leicht wäre es gewesen, zurückgezogen den Menschen zu grollen?

Yoko Ono jedoch setzt sich dennoch für Frieden ein, tritt weiterhin in die Öffentlichkeit und bleibt sich und der Kunst treu. Sie überdauerte die Krisen und blickt nun mit 92 Jahren auf ein legendäres Œuvre. Die Sonderausstellung „YOKO ONO: MUSIC OF THE MIND“ zeigt im Gropius Bau in überwiegend chronologischer Reihenfolge ihr Schaffen in den USA, Japan, Großbritannien und darüber hinaus. Parallel wird im Rahmen der Reihe n.b.k. Billboard das Werk „Touch“ zu sehen sein, welches Berührung als Kernpunkt ihres konzeptionellen Schaffens hervorhebt. Nach wie vor ist ihr Werk durchdrungen von der Suche nach Verbindung. Sie lenkt die Vorstellungskraft der Besucher mit Handlungsanleitungen und bei Performance und ausgestellten Werken ist ihr stets der Kontakt zum Betrachter wichtig, teils sogar unentbehrlich. Arbeiten werden erst durch den Rezipienten vollendet, erst seine Spuren machen das Werk vollkommen, welches meist ein Appell ist, gemeinsam die Welt zu verändern. Gerade in Zeiten politischer Spaltung, in welchen die Menschheit vor großen Herausforderungen steht, die nur im Miteinander überwunden werden können, ist ein Werk wie dieses, eine Haltung wie die Yoko Onos richtungsweisend und wohltuend.

Johanna Bayram lebt und arbeitet in Nordrhein-Westfahlen.

Yoko Ono. Music of the Mind
11.04. – 31.8.2025
Gropius Bau
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin
+49 30 254 86-0
Mo + Mi – Fr 12 – 19 Uhr, Sa + So 10 – 19 Uhr
Eintritt: 15 €, erm. 10 €
www.berlinerfestspiele.de/gropius-bau

Yoko Ono. Dream Together
bis zum 14.9.2025
Neue Nationalgalerie
Potsdamer Straße 50
10785 Berlin
Tel 030 – 266 42 42 42
Di – So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr
Eintritt: 10 €, erm. 5 €
www.neue-nationalgalerie.de

Yoko Ono. Touch
bis zum 31.8.2025
Billboard Ecke Friedrichstr./Torstr.
in Laufweite des n.b.k.
jederzeit frei zugänglich
Infos unter www.nbk.org

Text: Johanna Bayram
Bild: Gropius Bau
Erstveröffentlichung in kunst:art 104

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