Die Louvre-Räuber entkamen nur knapp: Wären die Einsatzkräfte 30 Sekunden früher alarmiert worden, hätte der Coup verhindert werden können. Das enthüllt ein neuer Untersuchungsbericht.
Bei der Präsentation des Berichts der Inspection générale des affaires culturelles vor dem französischen Senat am 10. Dezember bezifferte IGAC-Direktor Noël Corbin den Vorsprung der Täter auf wenige Augenblicke, wobei mehrere Pannen in der Kommunikation zwischen Museumsleitstelle und Polizei die Verzögerung verursacht hatten. Demnach erhielten die Beamten zunächst nur die Information über einen Einbruchsversuch, nicht über einen laufenden Raub, und fuhren zudem zum falschen Eingang des weitläufigen Gebäudekomplexes.
Der Bericht offenbart darüber hinaus gravierende strukturelle Mängel im Sicherheitssystem des meistbesuchten Museums der Welt. Ein Audit des Juweliers Van Cleef & Arpels hatte bereits 2019 sämtliche Schwachstellen der Galerie d’Apollon identifiziert, in der die Kronjuwelen ausgestellt waren, doch die Ergebnisse wurden der 2021 angetretenen Museumsdirektorin Laurence des Cars nie mitgeteilt. Die einzige Außenkamera am Tatort zeigte in die falsche Richtung, eine Live-Überwachung der Bilder fand nicht statt, und das Passwort des Überwachungssystems lautete schlicht „Louvre“.
Alle Täter gefasst, Beute verschollen
Bei dem Einbruch am 19. Oktober hatten vier maskierte Männer acht Schmuckstücke der französischen Kronjuwelen im Wert von 88 Millionen Euro erbeutet, darunter das Saphir-Diadem der Königin Marie-Amélie und das Smaragd-Collier der Kaiserin Marie-Louise. Die vier Haupttäter sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft und haben Teilgeständnisse abgelegt, doch von der Beute fehlt weiterhin jede Spur. Experten befürchten, dass die historischen Juwelen zerlegt und die Edelsteine einzeln verkauft werden könnten.
Senator Laurent Lafon fasste nach der Anhörung zusammen, der Einbruch sei kein zufälliges Scheitern gewesen, sondern das Ergebnis nicht getroffener Entscheidungen. Museumsdirektorin des Cars hatte bereits ihren Rücktritt angeboten, der von Kulturministerin Rachida Dati jedoch abgelehnt wurde. Stattdessen kündigte das Museum einen 80 Millionen Euro teuren Sicherheits-Masterplan an.



