
Widerstand und Ungehorsam
160 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung wirken Max und Moritz keineswegs verblasst – im Gegenteil: Die Ausstellung „Böse?! Widerstand und Verbrechen – 160 Jahre Max und Moritz“ im Museum Wilhelm Busch arbeitet heraus, wie relevant Buschs Lausbuben bis heute sind – nicht nur als Erinnerung an kindliche Streiche, sondern als Sinnbilder von Widerstand, Ungehorsam und moralischer Ambivalenz. Die Schau gliedert sich in fünf Abschnitte: Sie beginnt mit Buschs frühen Jahren in München, erkundet dann Entstehung und Aufstieg der „bösen Buben“ und fragt, wie Streiche im Sinne von Widerstand und Verbrechen gelesen werden können. Zugleich reflektiert die Ausstellung, wie Max und Moritz heute als Marke funktionieren und welche Impulse sie geben.
Was beeindruckt, ist die Vielschichtigkeit der Präsentation: Neben originalen Zeichnungen und Skizzenbüchern von Busch gibt es historische Fotografien und Beiträge von zeitgenössischen Illustratoren und Karikaturisten. Diese Gegenüberstellungen eröffnen neue, inspirierende Perspektiven. Die Ausstellung wirkt zuweilen didaktisch überfrachtet – etwa wenn historische Kontexte zu sehr erklärt werden und dadurch die ästhetische Kraft von Buschs Bildern in den Hintergrund rückt. Jedoch gelingt es „Böse?!“ überzeugend, Max und Moritz neu zu interpretieren: nicht nur als Kinderbuchfiguren, sondern als Spiegel unserer Gesellschaft. Mit Kunst und Satire gesellschaftliche Normen herauszufordern, das ist Wilhelm Busch bis heute eindrucksvoll gelungen.
Böse?! Widerstand und Verbrechen. 160 Jahre Max und Moritz
27.09. – 8.2.2026
Deutsches Museum für Karikatur
Georgengarten
D-30167 Hannover
Tel.: +49-511-16999911
Di – So 11 – 17 Uhr
Eintritt: 9 €, erm. 5 €
www.karikatur-museum.de
Text: Stefan Simon
Bild: Deutsches Museum für Karikatur
Erstveröffentlichung in kunst:art 106






