Die Neue Nationalgalerie hat ihre Position als publikumsstärkstes Kunstmuseum der Hauptstadt gefestigt. Mit rund 600.000 Besuchern im Jahr 2025 liegt der Mies-van-der-Rohe-Bau am Kulturforum erneut an der Spitze.
Die Staatlichen Museen zu Berlin gaben die Jahresbilanz Ende Dezember bekannt, wobei das Haus unter der Leitung von Klaus Biesenbach bereits zum zweiten Mal in Folge den Spitzenplatz unter den Berliner Kunstmuseen einnimmt. Einschließlich internationaler Wanderausstellungen erreichte die Nationalgalerie sogar mehr als 1,3 Millionen Besucher weltweit, was den wachsenden internationalen Stellenwert des Hauses unterstreicht.
Den Besuchererfolg verdankt die Neue Nationalgalerie einer dichten Folge hochkarätiger Sonderausstellungen, die gezielt auf ein breites Publikum zugeschnitten waren. Die Retrospektive der amerikanischen Fotografin Nan Goldin, die im November 2024 eröffnet hatte, zog allein rund 225.000 Besucher an, während die Schau zu Yoko Ono im Frühjahr und Sommer 2025 etwa 200.000 Menschen in die gläserne Halle lockte. Die erste deutsche Retrospektive der brasilianischen Künstlerin Lygia Clark sowie die bis Januar 2026 laufende Präsentation von Christian Marclays 24-Stunden-Videoinstallation „The Clock“ ergänzten das Programm.
Internationales Engagement trägt zur Bilanz bei
Zur Gesamtbilanz der Nationalgalerie trugen auch die internationalen Aktivitäten erheblich bei, denn eine Tournee mit Meisterwerken des derzeit wegen Sanierung geschlossenen Museum Berggruen erreichte 2025 allein 620.000 Besucher in Paris, Canberra und Madrid. Die Wanderausstellung zur deutschen Kunst zwischen 1910 und 1945 zog in Fort Worth und Albuquerque weitere 54.000 Besucher an, sodass die Nationalgalerie ihre Bestände einem weltweiten Publikum zugänglich machte.
Im Berliner Vergleich überragt die Neue Nationalgalerie die Konkurrenz deutlich. Die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel kam zuletzt auf rund 395.000 Besucher, der Hamburger Bahnhof auf etwa 357.000 und die Berlinische Galerie auf 223.000. Das Pergamonmuseum, das vor seiner Schließung im Herbst 2023 noch mehr als 700.000 Besucher jährlich verzeichnete, fällt wegen der laufenden Sanierungsarbeiten als Konkurrenz aus, was der Neuen Nationalgalerie eine günstige Ausgangslage verschafft.
Sanierung als Grundlage des Erfolgs
Der heutige Publikumserfolg wäre ohne die aufwendige Generalsanierung des 1968 eröffneten Gebäudes nicht denkbar, zumal das Haus Ende 2014 nach fast fünf Jahrzehnten Nutzung erhebliche Mängel aufwies. David Chipperfield Architects restaurierte den ikonischen Bau in einem sechsjährigen Prozess, bei dem 35.000 Originalteile demontiert, instand gesetzt und wiedereingebaut wurden. Die Kosten beliefen sich auf rund 140 Millionen Euro, die Wiedereröffnung erfolgte im August 2021.
Für 2026 hat die Neue Nationalgalerie bereits ein ambitioniertes Programm angekündigt. Eine große Brancusi-Ausstellung in Kooperation mit dem Centre Pompidou soll im März eröffnen, während im September eine Schau zu Maurizio Cattelan folgt. Der Preis der Nationalgalerie wird 2026 erstmals in der gläsernen Halle am Kulturforum verliehen, was die zentrale Rolle des Hauses in der Berliner Kunstszene weiter festigen dürfte.
