Rund 200 spanische Galerien haben für sechs Tage geschlossen, um gegen den 21-prozentigen Mehrwertsteuersatz auf Kunstverkäufe zu protestieren. Es ist der erste Streik dieser Art in der Geschichte des Landes.
Seit dem 2. Februar bleiben in ganz Spanien die Galerien für zeitgenössische Kunst geschlossen. Das Consorcio de Galerías de Arte Contemporáneo hat unter dem Slogan „Puertas Cerradas al 21%“ zu einem sechstägigen Streik aufgerufen, der bis zum 7. Februar dauern soll. Verbandspräsidentin Idoia Fernández erklärte, die Branche erhalte seit langem Schweigen als Antwort auf ihre Forderungen und empfinde die Situation als enorme Benachteiligung gegenüber den europäischen Nachbarländern.
Mit 21 Prozent erhebt Spanien den höchsten Mehrwertsteuersatz auf Galerieverkäufe in Westeuropa. Zum Vergleich: Frankreich besteuert Kunst mit 5,5 Prozent, Deutschland mit sieben Prozent, Italien seit Juli 2025 sogar nur mit fünf Prozent. Der spanische Satz geht auf ein Sparpaket aus dem Jahr 2012 zurück, als die damalige konservative Regierung den Steuersatz von acht auf 21 Prozent anhob. Während andere Kulturbereiche wie Kino und Theater später entlastet wurden, blieben Galerieverkäufe beim Höchstsatz – obwohl eine EU-Richtlinie seit 2025 reduzierte Sätze ermöglicht.
Kulturminister Ernest Urtasun räumte ein, dass der Kunstsektor unter ungünstigen Bedingungen arbeite, verwies aber darauf, dass Steuerfragen in die Zuständigkeit des Finanzministeriums fielen. Das Finanzministerium bezeichnet eine Änderung als „keine Priorität“. Die Galeristen beklagen, dass Sammler Käufe gezielt über ausländische Galerien abwickelten und selbst spanische Museen günstiger einkauften, wenn sie über französische Händler gingen.
Weitere Proteste sind bereits angekündigt: Die ARCO Madrid, Spaniens wichtigste Kunstmesse, findet vom 4. bis zum 8. März statt. Bei der ARCO 2025 hatten 71 spanische Galerien am Eröffnungstag synchron die Lichter ausgeschaltet. Dass die Aktionen 2026 deutlich darüber hinausgehen werden, lässt sich an der Tonlage der Branche ablesen.