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Wilhelm Lehmbruck im Kunstmuseum in Halle an der Saale

26.3. – 28.6.2026 | Kunstmuseum Moritzburg Halle

Eine enge Verbindung

Fünf plastische und fünfzehn grafische Arbeiten von Wilhelm Lehmbruck (1881–1919) befinden sich im Bestand der Stiftung Moritzburg Halle an der Saale. Max Sauerlandt (1880–1934), der erste Direktor des Kunstmuseums, pflegte zu Wilhelm Lehmbruck einen persönlichen Kontakt und kaufte weitblickend Arbeiten von ihm an. Die Werke entgingen 1937 der Beschlagnahmung durch die Nationalsozialisten, die die Werke des Künstlers als „entartet“ einstuften. Ein Glücksfall für das Haus.

Wilhelm Lehmbruck, als viertes Kind einer Bergarbeiterfamilie in Duisburg geboren, besuchte die Kunstgewerbeschule Düsseldorf. Ab 1901 studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie und wurde Karl Janssens (1855–1927) Meisterschüler. Nach Abschluss des Studiums wurde er Mitglied des Vereins der Düsseldorfer Künstler und der Société nationale des beaux-arts in Paris. Ab 1907 nahm er an deren jährlichen Ausstellungen im Grand Palais teil. 1910 zog er mit Frau und Kind nach Paris. Kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte der Künstler mit seiner Familie nach Deutschland zurück. Einige Werke verblieben in Paris und gingen im Laufe des Krieges verloren. Ab Dezember 1916 lebte und arbeitete er in Zürich. Vom Militärdienst war Lehmbruck aufgrund seiner attestierten Schwerhörigkeit befreit. Es sollte seine intensivste Schaffensperiode werden. Genau hier setzt die Ausstellung in Halle an der Saale an, die in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich und dem Lehmbruck Museum Duisburg entwickelt wurde. Extra für die Schau konzipierte die Künstlerin Gintare Sokelyte eine Intervention, die in den Dialog mit Lehmbrucks Werken tritt.

Zum ersten Mal zeigt die Ausstellung Werke des Künstlers, die in der Zeit von 1914 bis 1919 – dem Jahr seines Suizids – in Berlin und Zürich entstanden. Man darf nicht die Kriegs-Euphorie vergessen, von der sich auch Künstler mitreißen ließen.

Lehmbruck verarbeitete auf seine eigene intensive Weise die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges. In einer zum Atelier umgebauten Garage in Zürich schuf er seine wichtigsten Skulpturen. Er lernte Intellektuelle wie Fritz von Unruh, Leonhard Frank und Ludwig Rubiner kennen. In die Züricher Zeit fällt auch die Bekanntschaft zu der Schauspielerin Elisabeth Bergner (1897–1986), die er oft porträtierte und in die er sich unglücklich verliebte.
Vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges kam er an einen Wendepunkt, denn das erlittene Leid, Entbehrungen, Verluste der Menschen berührten ihn und das setzte er künstlerisch um. Er verlieh dem ein Gesicht. Seine Werke berühren bis heute, weil sie mitfühlend sind. Sie spiegeln die Traurigkeit wider, die ein Krieg über die Menschen bringt. Dennoch wohnt den Arbeiten eine zeitlose Schönheit inne. So als wolle sie mahnen, dass der Mensch sich selbst nicht durch einen Krieg zerstören dürfe. Mit der Grausamkeit eines Krieges droht der Mensch zu verrohen. Somit kann Lehmbrucks Spätwerk als Mahnung und Warnung vor einem Krieg, egal wo auf der Welt, verstanden werden.
Der Mensch bestimmte stets das Schaffen Lehmbrucks.

Nadja Naumann lebt und arbeitet als freie Journalistin in Mitteldeutschland.

Wilhelm Lehmbruck. Ewig menschlich
26.3. – 28.6.2026
Kunstmuseum Moritzburg Halle
Friedemann-Bach-Platz 5
D-06108 Halle (Saale)
Tel.: +49-345-212590
Mo, Di + Do – So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 8 €, erm. 5 €
www.kunstmuseum-moritzburg.de

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