
Nicht-hierarchische Kunst
Richard Paul Lohse (1902–1988) gehörte zu den wichtigsten Theoretikern und Praktikern der konstruktiv-konkreten Kunst. In einer Zeit, die geprägt war von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, hat der Zürcher Maler und Grafiker begonnen, seine seriellen menschenlosen Bildsysteme zu entwerfen. In den 1940er- und 1950er-Jahren kam ihm eine Vorreiterrolle zu. Erst in den 1960er-Jahren erwuchs daraus eine weltweite Künstlerbewegung. Die jetzige Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv in Zürich zeigt nun Werke aus den Jahren 1942 bis 1987. Von abstrakten Anfängen ausgehend hat Lohse seine geometrisch-systematische Bildauffassung entwickelt. Inspiriert hatten ihn dabei die De-Stijl-Bewegung sowie der russische Konstruktivismus.
Verbunden war dieser künstlerische Ansatz mit einem großen sozialpolitischen Engagement. Lohse war davon überzeugt, dass auch diese avantgardistische Kunst letztendlich eine Widerspiegelung der gesellschaftlichen Strukturen ist. Er strebte eine moderne, nicht-hierarchische Gesellschaft an, und Ästhetik war für ihn ohne soziale Verantwortung nicht denkbar. Das Prinzip der Gleichheit übersetzte er zum Beispiel in die Mengengleichheit aller in einem Bild vertretenen Farben. Häufig waren feste Zahlensysteme Ausgangspunkt seiner Arbeiten, wobei des öfteren ein zeitlicher Versatz zwischen Konzeption und Umsetzung lag.
So steht sein malerisches Werk aus den Jahren zwischen 1942 und 1987 für eine sehr interessante menschenfreundliche Variante einer geometrisch-systematischen Sprache.
Richard Paul Lohse
5.2. – 10.5.2026
Museum Haus Konstruktiv
Limmatstr. 268
CH-8005 Zürich
Tel.: +41-44-2177080
Di – So 11–18 Uhr, Mi 11 – 20 Uhr
Eintritt: 18 CHF, erm. 12 CHF
www.hauskonstruktiv.ch