Wolfgang Hollegha Ausstellung im Museum Reinhard Ernst Wiesbaden

bis 25.10.2026 | Museum Reinhard Ernst

Wolfgang Hollegha, Ohne Weißraum, zwei Koerbe, 2000

Gemalte Giganten

oben: Museum Reinhard Ernst

Es sind Giganten! Man steht vor unfassbar großen Bildern mit leuchtenden Farben und kann sie kaum überschauen. Erst wenn man sich wieder einige Schritte entfernt, kann man die Bilder mit 360 x 420 cm oder 500 x 320 cm überblicken. Wolfgang Hollegha hat nicht im Kleinen gearbeitet und auch nicht in Größen, die man selbst wegtragen könnte. Unter wenigstens 200 cm in irgendeine Richtung ging da wenig.

Der österreichische Maler Wolfgang Hollegha (1929–2023) studierte von 1947 bis 1954 an der „Akademie der bildenden Künste“ in Wien. Früh schon fand er Gleichgesinnte, mit denen er sich zusammentat, um gemeinsam auszustellen. Es war eine Zeit, nur einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, wo das Alte noch in Spuren da war und man Neues schaffen wollte. Arnulf Rainer, mit dem er unter anderem 1950 die „Hundsgruppe“ gründete und 1956 die „Malergruppe St. Stephan“, verließ 1949 nur wenige Tage nach seiner bestandenen Aufnahmeprüfung die „Akademie der bildenden Künste“ in Wien, da dort seine Kunst „entartet“ genannt wurde. Die jungen Künstler wie Hollegha und Rainer wollten nicht nur malen, sie wollten Neues erschaffen und Altes niederreißen.

1960 wurde Hollegha vom äußerst einflussreichen New Yorker Kunstkritiker Clement Greenberg (1909–1994) nach New York eingeladen, wo er mit seiner farbigen abstrakten Malerei Erfolge feierte. An der Seite von Helen Frankenthaler, Morris Louis und anderen stellte er seine Bilder aus. In der spannendsten Kunst-Stadt der damaligen Zeit entschied sich Wolfgang Hollegha bewusst gegen Glamour, Metropole und New York, stattdessen zog er zurück in die Nähe von Graz, baute sich mitten im Wald ein Atelier-Haus nach seinen Wünschen und die mit einer Atelierhöhe von 14,40 Metern das Doppelte dessen maß, was die Höhe des Ateliers der Akademie war.

Hier, mit einem kathedralenhaften Atelier mitten im Wald, mitten in der Einöd, malte Hollegha weiter. Sein Sohn sagt dazu, dass sein Vater alles gesehen und erlebt hätte, was als Stadt auch nur möglich sei – New York halt. Danach brauchte er keine Stadt mehr und wünschte sich die Ruhe des Landes und des Waldes.

Wolfgang Hollegha malte abstrakt, nutzte aber Gegenstände als Modell für seine Bilder. Modelle, die man im Bild dann jedoch nicht mehr wiedererkennen kann. Er selbst sagte dazu: „Wenn ich das Sichtbare als Ausgangspunkt nicht hätte, wäre das, was ich mache, ein rein willkürliches Geschmiere.“ Und das, was Hollegha machte, war kein Geschmiere. Es war gegenstandslos, abstrakt, aber kein Geschmiere.

Die Modelle für seine Bilder waren ganz einfach: mal ein Korb, mal ein kleines Boot zum Spielen. Es waren ganz normale Dinge, die ihm halfen, eine gewisse Grundstruktur in seine Bilder zu bekommen, ohne das Gegenständliche durchscheinen zu lassen. Sicherlich hilft dabei auch die schiere Größe seiner Bilder.

Da er mit sehr flüssiger Farbe malte, konnte er seine Bilder nicht auf der Staffelei malen. In seinem Atelier-Haus legte er die Leinwand einfach auf den Boden und kontrollierte dort die mit grobem Pinsel aufgetragenen verlaufenden Farben. Mit einer eigens dafür errichteten Konstruktion konnte er fast bis unter das Dach klettern, um von dort oben seine neuen Bilder auf dem Boden zu betrachten.

Wolfgang Holleghas Malerei überzeugt auch jene, die mit abstrakter Kunst wenig Berührungspunkte haben. Die Farben, die Größe, die Komposition; das alles ist mitreißend!

Mathias Fritzsche lebt und arbeitet in Köln.

Wolfgang Hollegha. Denk nicht, schau!
bis zum 25.10.2026
Museum Reinhard Ernst
Wilhelmstr. 1
D-65185 Wiesbaden
Tel.: +49-611-76388880
Di – So 12 – 18 Uhr, Mi 12 – 20 Uhr
Eintritt: 14 €, erm. 12 €
www.museum-re.de