
Blick durchs Schlüsselloch
Eigentlich hat der Blick durch ein Schlüsselloch immer etwas Voyeuristisches an sich. Denn eigentlich sollte die Tür den Raum und das, was sich in ihm abspielt, vor neugierigen Blicken schützen. In der Architektur gibt es hingegen einen ganz anderen Blick. Schaut man durch das Schlüsselloch des Doms von Florenz, so entfaltet sich darin die Genialität des Kirchenraumes. Es eröffnet sich in der bildenden Kunst noch ein ganz anderer Aspekt, wie in dem Werk „Aufschlüsselung“ von Max von Moos (1903–1979). Das 1936 entstandene Gemälde ist auch der Titel der Ausstellung im Kunsthaus Zug, die dem bedeutendsten Vertreter des Schweizer Surrealismus gewidmet ist.
So geheimnisvoll das Gemälde ist, es gibt den Blick in den Raum hinter der Tür nicht frei. Schwer aufzuschlüsseln ist auch das Gesamtwerk von Max von Moos. Dessen Vater Joseph von Moos (1859–1939) war Leiter der Kunstgewerbeschule Luzern. Bis auf einen einjährigen Aufenthalt an der staatlichen Kunstgewerbeschule München verbrachte der Künstler sein ganzes Leben in Luzern. Das Kunsthaus Zug verfügt dank Schenkungen der Max von Moos Stiftung und der Sammlung von Peter Thali über Werke aus allen Schaffensphasen des Malers. Die düsteren Bilder überraschen zuweilen mit Heiterkeit, die man nicht erwartet. Um den Künstler besser zu verstehen, zeigt die Schau Selbstporträts im Kontext seiner Bilder, in deren Mittelpunkt verängstigte und verzweifelte Menschen stehen. Man kommt ihm näher, aber geheimnisvoll bleibt er dennoch.
Max von Moos. Die Aufschlüsselung
bis zum 25.5.2026
Kunsthaus Zug
Dorfstr. 27
CH-6301 Zug
Tel.: +41-41-7253344
Di – Fr 12 – 18 Uhr, Sa + So 10 – 17 Uhr
Eintritt: 15 CHF, erm. 12 CHF
www.kunsthauszug.ch