Museum im Kleihues-Bau Kornwestheim

Informationen zum Gebäude

Museum im Kleihues-Bau

Lage und Architektur

Seit Ende der 1980-er Jahre dominiert im Südosten ein anspruchsvoller Galeriebau das Geviert des Kornwestheimer Marktplatzes. Sanft ansteigende Rampen führen zu dem mit Cannstatter Travertin verkleideten, streng eleganten Gebäude, welches aus der Spannung geometrischer Grundformen – Kreis, Halbkreis, Dreieck, Quadrat und Parallelogramm – seine Wirkung zieht: Im Gegensatz zur blockhaften Strenge des kompakten, zweigeschossigen Baukörpers mit Parallelogramm-Grundriss, welcher das Kunstmuseum beherbergt, steht eine raumgreifende eingeschossige Halbrotunde. Sie dient sowohl musealen Zwecken als auch Rahmenveranstaltungen.

Mit der dazugehörigen Terrasse und dem offenen Garten schreibt sich das architektonische Gesamtgefüge akkurat einem, wenn auch nicht direkt erlebbaren Quadrat, ein. Das Kunstmuseum verfügt über eine Ausstellungsfläche von knapp 400 qm im Erdgeschoss und weiteren 320 qm im Obergeschoss.

Beide Ebenen verbindet eine imposante, sich nach oben verjüngende Treppenkonstruktion. Durch eine östlich ausgerichtete Schrägverglasung erhält der untere Ausstellungsraum Tageslicht. Im Obergeschoss sorgt eine aufwändig gestaltete, im Kreissegment geschwungene Lichtdecke für optimale Lichtverhältnisse. Sheddächer fangen aus nördlicher Richtung die Lichtquelle ein, lenken sie flutend in den Ausstellungssaal.

Der Architekt

Josef Paul Kleihues (1933 – 2004) prägte die nationale und internationale Architekturszene. In den 1960er Jahren entwickelte sich eine neue Sichtweise für die Architektur der Stadt und deren Geschichte. In einer Zeit, in der „Sanierung“ zumeist Neubau nach großflächigem Abriss bedeutete, trat ein Umdenken ein. Josef Paul Kleihues war nicht nur Vertreter dieser Bewegung, er prägte den Begriff der “kritischen Rekonstruktion“ der Stadt. Als Planungsdirektor für die Neubaugebiete der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Berlin tätig, konnte er dieses Konzept anwenden. Die historischen Stadtstrukturen wurden adaptiert und zeitgemäß revitalisiert.

Zu den wichtigsten gestalterischen Bereichen des Professors für Baukunst an der Kunstakademie Düsseldorf (seit 1994) mit Architekturbüro in Berlin und Dülmen-Rorup gehörte u. a. auch die Museumsarchitektur. Dieses belegen neben dem Kornwestheimer Galeriebau der Entwurf für das Sprengel-Museum in Hannover, der zum Museum fürZeitgenössische Kunst umgebaute Hamburger Bahnhof in Berlin sowie das Museum of Contemporary Art in Chicago.

Die ihm eigene schnörkellose, klare Formensprache, das Zusammenspiel von sachlicher Strenge und subjektiv intendiertem Harmonieerlebnis machen das Geheimnis seines Architekturstils aus, den er einmal mit dem Begriff des „poetischen Rationalismus“ auf den Punkt brachte. 1990 wurde er für die Konzeption des Museums in Kornwestheim, das seinen Namen trägt, mit dem Preis des Bundes Deutscher Architekten (BDA) ausgezeichnet.

(© Museum im Kleihues-Bau, Foto Atelier Verlag)

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