Bruce Nauman im Schaulager in Basel

bis zum 26.8.2018 | Schaulager

Bruce Nauman, Green Horse, 1980 (Foto Ron Amstutz)

von Karin Gerwens //

Es gibt einige wenige Künstler, die es schaffen, sich über Jahrzehnte immer wieder neu zu erfinden, und sich dennoch treu bleiben, die Grenzen erweitern und die Kunstwelt nachhaltig prägen und verändern. Einer dieser Ausnahmekünstler ist Bruce Nauman (*1941), der seit den 1960er Jahren aus der Gegenwartskunst nicht mehr wegzudenken ist und nun im Schaulager in Basel eine große Retrospektive erhält. Es ist die erste große Retrospektive des Künstlers seit über 20 Jahren und es lohnt sich, all die Arbeiten aus Neonröhren, die raumgreifenden Installationen und Skulpturen zu bestaunen, denn trotz sich stetig wiederholender Themen wie Körper, Sprache, Machtstrukturen, sozialen und moralischen Fragen überrascht der aus dem Mittleren Westen der USA stammende und heute in New Mexico lebende Künstler stets mit neuen Ideen.

In der Ausstellung „Disappearing Acts“ werden Arbeiten aus allen Schaffensperioden des Künstlers gezeigt, wobei die Chronologie nicht immer eingehalten wird. Wo es sinnvoll erscheint, treten von den etwa 170 ausgestellten Kunstwerken einige in Dialog. Aus der frühen Schaffenszeit werden auf Video aufgezeichnete Performances wie „Walking with Contrapposto“ oder „Wall Floor Position“, beide aus dem Jahr 1968, gezeigt. Letztere wird sogar als besonderes Live-Erlebnis von professionellen Tänzern während der gesamten Ausstellungsdauer jeden Donnerstag und Samstag um 14.00 Uhr und jeden Sonntag um 12.00 Uhr aufgeführt.

Bevor Nauman sich der bildenden Kunst verschrieb, studierte er Mathematik, Musik und Physik. Auf der künstlerischen Erfolgsspur war Bruce Nauman von Anfang an, bereits 1968 erfolgte die erste Teilnahme an der documenta in Kassel. Auf der Biennale von Venedig war er zweimaliger Gewinner des Goldenen Löwen. Bis in die heutige Zeit hat er von seiner Innovation und seinem Tatendrang nichts eingebüßt, für aktuelle Arbeiten wie „Contrapposto Split“ (2017) verwendete er neueste 3D-Technologie, hohe Bildauflösung (K4) und HD.

Eine wichtige Rolle in der Ausstellung spielt die Emanuel Hoffmann-Stiftung, die sich für die Sammlung und den Erhalt von zeitgenössischer Kunst einsetzt. Sie beherbergt eine der bedeutendsten Sammlung mit Arbeiten von Bruce Nauman weltweit. Während der Ausstellung wandern einige Kunstwerke aus der Sammlung ins Kunstmuseum Basel, darunter „Untitled“ (1970/2009), eine Videoinstallation mit gleichzeitiger Projektion an Wand und Boden und die 14-Kanal-Toninstallation „Days“, die den unterirdischen Gang zwischen Haupt- und Neubau des Kunstmuseums beschallt. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Werk von Bruce Nauman ist ausdrücklich erwünscht: Mit der Eintrittskarte kommt man drei Mal ins Schaulager und ein Mal ins Kunstmuseum Basel.

 

Bruce Nauman. Disappearing Acts
bis zum 26.8.2018
Schaulager
Ruchfeldstr. 19
CH-4142 Münchenstein
Tel.: +41-61-3353232
Di – So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr
Eintritt: 22 CHF, erm. 15 CHF
www.schaulager.org

 

Erstveröffentlichung in kunst:art 61.