Moderne und Tradition

7.4. – 4.8.2019 | Max Ernst Museum

Seit den „Nanas“ von Niki de Saint Phalle hat man nicht mehr so riesige und bunte Skulpturen gesehen. Auch in der Thematik – wenngleich aus einer anderen Zeit heraus – gibt es Anknüpfungspunkte. Die Rolle der Frau, gefangen im Spagat von Haushalt und Karriere, ist beiden ein wichtiges Thema. Und beide wollen sich nicht verstecken: Die riesigen Figuren, „Nanas“ hier, „Valkyrie“ dort, sind nicht groß, sondern im wahrsten Sinne des Wortes riesig! Bis zu 50 Meter lang!

Joana Vasconcelos (* 1971) lebt und arbeitet in Lissabon, feiert aber inzwischen international Erfolge. Ihre riesigen Skulpturen aus Alltagsgegenständen, mitunter auch aus Resten und Müll, sind weltweit gefragt. Regelmäßig verbindet sie in ihren Arbeiten internationale Moderne und portugiesische Tradition. Gehäkeltes, Keramik oder Patchwork – Joana Vasconcelos findet stets den richtigen Ton: Die Gegensätze halten sich so die Waage, dass das Ganze eine Leichtigkeit gewinnt, die den Betrachter verzaubert und vereinnahmt.

Das Max Ernst Museum in Brühl ist bekannt dafür, dass es neben internationalen Topkünstlern wie Niki de Saint Phalle und Christo und Jeanne-Claude auch junge aufstrebende Künstler oder außergewöhnliche Künstler ausstellt. So bekamen Tim Burton und David Lynch jeweils eine Chance, das Haus mit ganz ungewöhnlichen Ausstellungen zu bespielen. Joana Vasconcelos verbindet all diese Gruppen in ihrer Person: Sie ist noch relativ jung und damit noch aufstrebend, sie ist aber schon international gefeiert und mit der Art ihrer Kunst sehr ungewöhnlich. Und auch wenn sie eingangs mit Niki de Saint Phalle verglichen wurde, so ist Joana Vasconcelos Kunst doch erfrischend anders, erstaunlich selbstgewiss und umwerfend zeitgemäß. Hinzu kommt, dass ihre Kunst etwas ganz Eigenes, Unverwechselbares ist.

Obwohl Joana Vasconcelos bereits in wichtigen Museen der größten europäischen Metropolen ausgestellt hat und sie in Deutschland mit der Galerie Scheffel auch eine Vertretung auf dem Kunstmarkt hat, so ist doch Brühl ihre erste institutionelle Ausstellung in Deutschland.

Das Max Ernst Museum zeigt Objekte und Installationen aus den letzten zwanzig Jahren mit dem Ziel, einen Einblick in die Arbeitsweise der portugiesischen Künstlerin zu schaffen. Ihre Themen sind ganz nah am Puls der Zeit: Ökologie, Gleichberechtigung, die Stellung der Frau in der Gesellschaft. Es ist die perfekter Kombination: Vasconcelos‘ Kunst sieht gut aus und hat etwas mitzuteilen!

Joana Vasconcelos
7.4. – 4.8.2019
Max Ernst Museum
Comesstr. 42 / Max-Ernst-Allee 1
D-50321 Brühl (Rheinland)
Tel.: +49-2232-57930
Di – So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 7 €, erm. 4 €
www.maxernstmuseum.lvr.de

 

Text: Mathias Fritzsche
Bild: Max Ernst Museum
Erstveröffentlichung in kunst:art 66

Über Mathias Fritzsche 69 Artikel
Ein Thema jagt das nächste: Der Wochengipfel hält ein oder zwei Themen fest und bringt sie in Erinnerung. Was war vergangene Woche so wichtig, dass man Schnappatmung bekam und ist diese Woche dennoch schon vergessen? Oder über welche Nachricht hat man sich so gefreut, dass man auf den Balkon ging und die Nachricht für die ganze Welt in den Abendhimmel geschrien hat?