Schlaflos

08.06. – 29. 09.2019 | Fondation Beyeler

Louise Bourgeois, Insomnia Drawing Nr. 174, 13. März 1995 (Daros Collection, Schweiz, © The Easton Foundation)

Zeit ihres Lebens litt die französisch-amerikanisch Künstlerin Louise Bourgeois (1911–2010) unter Schlaflosigkeit. In den langen Nachtstunden, in denen sie nicht schlafen konnte, nutzte sie die Zeit zum Arbeiten. Bekannt war Louise Bourgeois als Bildhauerin, die sich sehr früh mit Installationen auseinandersetzte. Aufgewachsen bei Paris, wo die Familie eine Galerie für historische Textilien unterhielt, fertigte sie bereits als Kind Zeichnungen von fehlenden Teilen an. In der Kindheit schenkte ihr der Vater wenig Beachtung: „Wenn ein Junge geboren wird, dann ist die Familie glücklich. Wenn ein Mädchen geboren wird, dann findet man sich damit ab, man toleriert die Tatsache.“ Der Vater betrog die Mutter mit dem Kindermädchen, das Louise Englisch beibrachte. Die Wut über die eigene Hilflosigkeit verarbeitete sie in Skulpturen aus Brot am Esstisch. Die geliebte Mutter, die zugleich die beste Freundin war, starb 1932. Für Louise Bourgeois ein Grund, sich das Leben zu nehmen. Der Versuch schlug fehl. 1938 ging sie mit ihrem Mann Robert Goldwater nach New York.

Das frühe familiär bedingte Trauma schlug sich noch im hohen Alter in den Arbeiten der Künstlerin nieder. Zwischen November 1994 und Juni 1995 entstanden 220 Blätter mit Zeichnungen und Niederschriften: Die „Insomnia Drawings“. Viele der Motive stehen zentral für ihr Schaffen. Spiral- und Wellenlinie, Naturobjekte oder Häuserformationen. Am Ende ist es eine Aufarbeitung des familiären Lebens und des vom Vater zugefügten Unrechts. Geblieben ist ihr Nachlass.

Louise Bourgeois. The Insomnia Drawings
08.06. – 29.09.2019
Fondation Beyeler
Baselstr. 101
CH-4125 Riehen/Basel
Tel.: +41-61-6459700
Mo – So 10 – 18 Uhr, Mi 10 – 20 Uhr
Eintritt: 25 CHF, erm. 12 – 20 CHF
www.fondationbeyeler.ch

Text: Nadja Naumann
Bild: Fondation Beyeler
Erstveröffentlichung in kunst:art 68