Und danke für den Fisch!

25.8. – 3.11.2019 | Syker Vorwerk

Silke Mohrhoff, love me, 2018

Das Tier ist in der Kunst seit Anbeginn dabei. Die erste nachgewiesene Malerei sind die wunderschönen Bilder aus der Höhle von Lascaux in Frankreich. Schon hier hat der Künstler das gemalt, was ihn beschäftigt hat, was ihm wichtig war, nämlich Tiere. Durch die ganze Kunstgeschichte hindurch bis in die Gegenwart hinein sollte es so bleiben, dass Tiere wichtige Motive sind. Auch gesellschaftlich ist das Tier gerade ein bedeutendes Thema, es seien nur Stichworte genannt wie Artensterben, Massentierhaltung und Chimärenforschung.

Nun hat sich das Syker Vorwerk gemeinsam mit dem Künstlerinnenverband Bremen (GEDOK) dem Tier angenommen. Dazu fand eine öffentliche Ausschreibung für alle professionellen Künstlerinnen statt, die sich mit dem Tier in irgendeiner Form beschäftigen möchten. Der Titel der Ausstellung „Animal Turn“ nimmt Bezug auf einen Artikel, der eine neue und andere Herangehensweise an das Thema des Tieres in der zeitgenössischen bildenden Kunst erkannt hat. Die zahlreichen Bewerbungen hat eine Arbeitsgruppe des GEDOK in Zusammenarbeit mit der künstlerischen Leitung des Syker Vorwerks Frau Nicole Giese-Kroner kuratiert. 53 Künstlerinnen nehmen an der Ausstellung teil.

Das Ergebnis ist so vielfältig wie nur möglich: von recht abstrakten Werken über formal angedeutete Körper und exakt nachgebildete Objekte bis hin zu fast schon Dekorativem. Auch hinsichtlich des Materials und der Gattung ist die Palette breit gefächert: Objekte aus Porzellan und Ton, aber auch aus Stoff, Skulpturen, Fotografie und Video, Malerei und Zeichnung sind vertreten.

Wer jetzt allerdings „schöne Tierbilder“ erwartet, ist mit dieser Ausstellung definitiv falsch beraten. Die Organisatoren sagen zutreffend, dass sie nach „Abseitigem, Absurdem, dem Widerspenstigen, dem Intimen, dem Außerordentlichen“ fahnden. Natürlich hat eine solch große Ausstellung mit so vielen Teilnehmerinnen auch zur Folge, dass das Spektrum extrem breit ist: Zwischen der heraldischen Malerei von Susanne Bollenhagen (*1959) und der Pop-Trash-Art von Anja Fussbach (*1965) liegen thematisch und stilistisch Welten, auf die der Betrachter sich erst einmal einlassen muss.

Sicherlich eine der stärksten Positionen ist die geheimnisvolle Acrylmalerei von Sibylle Springer (*1975), deren Werk man erst durch aufmerksames Betrachten erobern muss, bevor man Details erkennt. In der Gruppenausstellung ist sie mit „silent silver“ (2017) vertreten, das sie bereits bei ihrer Einzelausstellung in der Bremer „Gesellschaft für aktuelle Kunst“ vor zwei Jahren gezeigt hat. Die Meisterschülerin von Karin Kneffel lebt und arbeitet in Bremen und Berlin und wird von der renommierten Frankfurter Galerie Anita Beckers vertreten.

 

Animal Turn
25.8. – 3.11.2019
Syker Vorwerk
Zentrum für zeitgenössische Kunst
Am Amtmannsteich 3
D-28857 Syke
Tel.: +49-4242-577410
Mi 15 – 19 Uhr, Sa 14 – 18 Uhr, So 11 – 18 Uhr
Eintritt frei
www.syker-vorwerk.de

Text: Mathias Fritzsche
Bild: Syker Vorwerk
Erstveröffentlichung in kunst:art 69

Über Mathias Fritzsche 66 Artikel
Ein Thema jagt das nächste: Der Wochengipfel hält ein oder zwei Themen fest und bringt sie in Erinnerung. Was war vergangene Woche so wichtig, dass man Schnappatmung bekam und ist diese Woche dennoch schon vergessen? Oder über welche Nachricht hat man sich so gefreut, dass man auf den Balkon ging und die Nachricht für die ganze Welt in den Abendhimmel geschrien hat?