Vom Niedergang des Imperium Romanum

25.6. – 27.11.2022 | Museum am Dom Trier

Joseph-Noël Sylvestre, Die Plünderung Roms durch die Barbaren im Jahr 410, 1890

Innenpolitische Machtkämpfe, Dekadenz, der Einfall der „Barbaren“: Welche Faktoren tatsächlich zum „Untergang des Römischen Reiches“ führten, wird in der Fachwelt bis heute diskutiert. Nun befasst sich eine große, gleichnamige Landesschau in Trier mit genau diesem Thema.

Über drei Häuser verteilt werden Ursachen und Folgen des Zerfalls unter die Lupe genommen. Und welcher Ort könnte sich besser dazu eignen als die älteste Stadt Deutschlands, die als einzige römische Kaiserresidenz nördlich der Alpen eine beeindruckend hohe Dichte an antiken Denkmälern vorzuweisen hat. Denn in dem ehemaligen „Augusta Treverorum“ zählen neben der berühmten Porta Nigra zum Beispiel auch die Ruinen der Kaiser- und Barbara-Thermen, das Amphitheater oder die Konstantinbasilika zum Unesco-Weltkulturerbe.

„Der Untergang des Römischen Reiches“ beginnt im Rheinischen Landesmuseum Trier, wo sein Verlauf im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. auf einer Fläche von 1000 qm beleuchtet wird. In seiner Hochzeit war das römische Kaiserreich der Inbegriff weltlicher Macht. Militärische Stärke, blühender Handel, Wohlstand und effektive Verwaltungsstrukturen beförderten es im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. zu einem der erfolgreichsten imperialen Systeme aller Zeiten. Es beherrschte den gesamten Mittelmeerraum und hatte bekanntlich auch nördlich der Alpen, entlang des Limes, eine gewaltige Ausdehnung erfahren. Doch dann kam es zu politischen Spannungen, es gab mehrere Kaiser und Machtzentren. Vandalen, Goten und Hunnen fielen an den Grenzen ein oder gewannen als Soldaten der römischen Armee die Oberhand, was dazu führte, dass sie 476 den letzten weströmischen Kaiser absetzten.

In der Schau wird der schleichende Niedergang des Imperium Romanum anhand kostbarer Exponate und Zeugnisse auf Grundlage neuer Erkenntnisse analysiert und dargestellt. Mit dem Thema der Ausbreitung des Christentums im 7. Jahrhundert geht es dann in der Schau „Im Zeichen des Kreuzes – eine Welt ordnet sich neu“ im Museum am Dom in Trier weiter. Die Kirche verstand es, die Infrastruktur der Römer zu nutzen, um den christlichen Glauben verhältnismäßig schnell in Europa auszubreiten und dauerhaft zu zementieren. Auch über den Erhalt und Verlust antiken Wissens im Mittelalter wird in dieser Ausstellung informiert.

Der dritte Teil im Stadtmuseum Simeonstift nimmt schließlich „Das Erbe Roms. Visionen und Mythen in der Kunst“ in den Fokus. Dabei werden Werke der Neuzeit gezeigt, die sich im Spannungsfeld von Begeisterung und Abgrenzung zum Römischen Reich bewegen, unter anderem den Unabhängigkeitskampf von Volksgruppen wie den Galliern oder Germanen thematisieren. Deren Anführer wurden seit der Wiederentdeckung antiker Quellen in der Renaissance als Helden gefeiert und dienten als Identitätsstifter für die sich langsam herausbildenden Nationen Europas.

Julia Behrens ist Kunstjournalistin und hat ihre Doktorarbeit über Künstlerateliers geschrieben.

Das Erbe Roms. Visionen und Mythen in der Kunst
25.6. – 27.11.2022
Stadtmuseum Simeonstift Trier
Simeonstr. 60
D-54290 Trier
Tel.: +49-651-7181459
Di – So 10 – 17 Uhr
Eintritt: 5,50 €, erm. 4 €
www.museum-trier.de

Das Erbe Roms. Visionen und Mythen in der Kunst
25.6. – 27.11.2022
Rheinisches Landesmuseum Trier
Weimarer Allee 1
D-54290 Trier
Tel.: +49-651-97740
Di – So 10 – 17 Uhr
Eintritt: 8 €, erm. 6 €
www.landesmuseum-trier.de

Das Erbe Roms. Visionen und Mythen in der Kunst
25.6. – 27.11.2022
Museum am Dom Trier
Bischof-Stein-Platz 1
D-54290 Trier
Tel.: +49-651-7105255
Di – Sa 9 – 17 Uhr, So 13 – 17 Uhr
Eintritt: 5 €, erm. 3 €
www.museum-am-dom-trier.de

Text: Julia Behrens
Bild: Stadtmuseum Simeonstift Trier
Erstveröffentlichung in kunst:art 86