Kunst in Zeiten von Corona

04.02. - 18.09.2022 | G2 Kunsthalle

Vivian Greven, Virtu, 2021, Foto Ivo Faber, Court. Kadel Wilborn, Köln

Covid-19 hat das gesellschaftliche Leben zum Erliegen gebracht. Jetzt ist wieder alles offen und wir sind schnell dabei, die Zeit der Pandemie zu vergessen, obwohl sie noch anhält. Die Erkenntnis dabei ist, dass die Freiheit des eigenen Handelns in der Gesellschaft alles andere als selbstverständlich ist. Es ist das Gefühl des Aufatmens nach den Lockerungen, das uns allen gut tut. Der Mensch ist für die Einsamkeit nicht geschaffen, er braucht den Austausch.

Es war der Schock schlechthin, dass das kulturelle Leben komplett stillstand und die digitale Welt scheinbar einen Ausweg aus der Isolation bot. Kunst fand virtuell in Rundgängen statt. Das Streamen von Serien und Filmen ersetzte das Kino und doch fehlte etwas: der persönliche Kontakt. Zum einen der menschliche und zum anderen der Austausch vor einem Kunstwerk in einer realen Ausstellung. Das Netz kann vieles, aber es bleibt neutral. Neutral in dem Sinne, dass man zum Beispiel nichts riechen, schmecken oder anfassen kann. So fehlt ganz eindeutig der Geruch nach Ölfarbe bei der Betrachtung eines Kunstwerkes.

Die Kunsthalle G2 hat für die Sonderausstellung Werke ausgesucht, für die ein direkter Kontakt zwischen Betrachter und Objekt unabdingbar ist. So braucht es für die Betrachtung der Werke des Leipziger Künstlers Paule Hammer einige Zeit, da sie höchst komplex und oftmals sehr ironisch sind.
Erstmals präsentiert die G2 großformatige Werke des in Leipzig lebenden rumänischen Künstlers Sebastian Hosu, die den Betrachter durch ihre intensive Farbigkeit in ihren Bann ziehen.

Der Mensch ist natürlich das Sujet in der bildenden Kunst, das uns am meisten interessiert. Auf eine höchst spannende Weise setzt sich die in Dresden geborene und in Hamburg lebende Künstlerin Grit Richter mit der Thematik auseinander. Ihre Begeisterung für elektronische Musik, die weitab des Mainstream liegt, fließt in die Arbeiten ein. Es entstehen so geometrisch klar angelegte Bilder, die am Ende das Stereotype gekonnt durchbrechen. Das geschieht im Einklang mit der gesamten Komposition eines Bildes.

Durchaus darf man im Schaffen von Tim Eitel, der in Leipzig studierte und in Paris lebt, die Pandemie als einen Wendepunkt bezeichnen. Während sein Personal allein durch entvölkerte Szene wandelte, trat mit Corona ein Miteinander in das Werk ein. Eitel wurde konkreter in der Darstellung der Menschen, die er malte.

Eine, die sich mit dem Internet perfekt auskennt, ist die Künstlerin Louisa Clement. Clement war Meisterschülerin von Andreas Gursky. Als Avatar in zehnfacher Kopie angefertigt, machte die Künstlerin im vergangenen Jahr auf sich aufmerksam. Da so ein Avatar mit Informationen gefüttert werden muss, sah sich Clement mit der Grenzüberschreitung der Preisgabe eigener Daten konfrontiert.
Mit der Pandemie hat sich das Leben in Richtung virtuelle Welt begeben und ihr einen Aufschwung beschert. Die Schau in der G2 stillt den Hunger, vor einem realen Bild zu stehen. Es zu betrachten, es zu verstehen und zu hinterfragen.

Nadja Naumann liebt Kunst in der realen Wahrnehmung und findet das Projekt von Avataren höchst spannend.

G2 #18 Mixed Feelings
bis zum 18.9.2022
G2 Kunsthalle
Dittrichring 13
D-04109 Leipzig
Tel.: +49-341-35573793
Mi 15 – 20 Uhr, Sa 12 – 17 Uhr
Eintritt: 5 €, erm. 3 €
g2-leipzig.de

Text: Nadja Naumann
Bild: G2 Kunsthalle
Erstveröffentlichung in kunst:art 86