Meisterhafte Ambivalenz           

15.10.2022 – 8.1.2023 | Stiftsmuseum der Stadt Aschaffenburg

Lucas Cranach d. Ä. und Werkstatt, Magdalenenaltar, Ölmalerei auf Lindenholz, um 1525

Zum fünfhundertsten Jahrestag des Luther`schen „September-Testamentes“, dem Urdruck der Übersetzung des griechischen neuen Testamentes in das Frühneuhochdeutsche, präsentiert das Stiftsmuseum die Sonderausstellung „Zwischen den Stühlen: Cranach, Luther und der Kardinal“. Die Ausstellung zeigt, wie verflochten und ambivalent der Kunstbetrieb Cranachs des Älteren mit der politischen Geschichte rund um die Reformation und ihren berühmten Initiator Martin Luther war. Cranach und Luther waren nicht nur eng befreundete Trauzeugen und Taufpaten, sondern auch hohe Amtsträger mit prägendem politischem Einfluss. Cranach, der über die berühmte und hochproduktive Werkstatt verfügte, welche Luthers Reformationsprozess illustrativ unterstützte, verlegte zudem sogar das September-Testament Luthers und half somit bei dessen Verbreitung.

Zeitgleich, ja fast paradoxerweise, erhielt Cranach einige seiner lukrativsten Aufträge durch die Kirche. So bekam er den als wohl größten Gemälde-Auftrag der älteren deutschen Kunstgeschichte bekannten Auftrag über sechzehn große Flügelaltäre für die Stiftskirche in Halle (Saale) vom Mainzer Kurfürst-Erzbischof, Reichserzkanzler und Kardinal Albrecht von Brandenburg. Dieser jedoch wurde wenige Jahre später durch die Reformation gestürzt und rettete einige seiner Kunstschätze nach Aschaffenburg. Die interessante Sonderschau beleuchtet das Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Politik und das Paradox, dass sich beides in ein und derselben Person, dem Künstler Cranach, zum Höhepunkt spitzt.

Zwischen den Stühlen: Cranach, Luther und der Kardinal
15.10.2022 – 8.1.2023
Stiftsmuseum der Stadt Aschaffenburg
Stiftsplatz 1 a
D-63739 Aschaffenburg
Tel.: +49-60214447950
Di – So 11 – 17 Uhr
Eintritt: 2,50 €, erm. 1,50 €
www.museen-aschaffenburg.de/Stiftsmuseum

Text: Johanna Bayram
Bild: Stiftsmuseum der Stadt Aschaffenburg
Erstveröffentlichung in kunst:art 87