Drift – Alex Hubbard, Alisa Margolis, Diana Sirianni

14.6. – 14.8.2016 | Städtische Galerie Delmenhorst

Die Ausstellung „DRIFT“ führt bislang in Deutschland noch kaum bekannte Videoarbeiten von Alex Hubbard (*1975, Toledo, Oregon), opulente Malerei und Installation von Alisa Margolis (*1975, Kiew, Ukraine) sowie still explodierende Collagen und Modelle von Diana Sirianni (*1982, Rom) zusammen. Geht es bei den drei Ansätzen letztlich um Malerei, um Möglichkeiten ihrer Regeneration, so zeigt „DRIFT“ eine Variationsbreite, die von leichtfüßig über erhaben bis humorvoll reicht. Dabei haben Diana Sirianni und Alisa Margolis neue, speziell auf die Räumlichkeiten der Städtischen Galerie Delmenhorst zugeschnittene Projekte entwickelt.
Diana Sirianni kombiniert in ihren Installationen die raumkonstituierenden Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung mit der Wahrnehmung historischer und gegenwärtiger Räume. Was entsteht, sind rhizomatische Rauminstallationen: Malerisch gedachte Collagen aus großen und winzig kleinen Teilen von Fotografien, Holz- und Metallstücken, Plexiglaselementen. Sie schweben im Raum, fixiert an nahezu unsichtbaren Nylonfäden: unzählige Einzelteile, die im Moment explosionsartigen Auseinanderdriftens in plötzlichem Stillstand zu verharren scheinen. Das Nachdenken über Kopie, Referenz und Übertragung ist für Diana Sirianni zentral. Somit greift die Künstlerin auch mit ihrer für Delmenhorst entwickelten Arbeit nicht nur auf Fotomaterial zurück, das vorab in den Räumen der Städtischen Galerie Delmenhorst entstanden ist. Vielmehr bedient sie sich an ihrem reich bestückten digitalen Bildarchiv, in diesem Fall vor allem an Aufnahmen des römischen Palazzo Altemps.

Ist es nicht zuletzt die Dynamik und Polyperspektivität des barocken Raums, der Diana Sirianni inspiriert, so gibt es Berührungspunkte zu der Arbeit von Alisa Margolis, deren Malerei jedoch weit mehr die düstere, der Vergänglichkeit und dem Tod zugewandte Seite des Barocks transferiert. Sie ist mit ihren Arbeiten auf der Suche nach dem, was das „heutige Erhabene“ sein kann. Dabei bezieht sie sich auf die Lichtdramaturgie des Barock genauso wie die Choreographie von Rockkonzerten und die in Horrorfilmen eingesetzten Spezialeffekte. Alisa Margolis kombiniert in ihrer Malerei altmeisterliche Maltechniken, die zum Beispiel von Blumenstillleben des 17. Jahrhunderts inspiriert sind, mit der Eigendynamik des malerischen Prozesses, mit Drippings und Farbverläufen, die den Bildraum mit Glanzpunkten und Farblichtern durchbrechen. Es ist, als würde die Künstlerin ihre Vor-Bilder überdehnend strapazieren und überzeichnen. Es ist als würde sie austesten und untersuchen, inwiefern sie es vermögen, zum einen den Betrachter emotional zu treffen und zum anderen eine wie auch immer geartete Bedeutung an sich zu ziehen.

Alex Hubbard kombiniert in seiner Arbeit Performance, Malerei und Video. Im Zusammenspiel mit den Arbeiten von Alisa Margolis und Diana Sirianni werden in der so genannten Remise der Städtischen Galerie Delmenhorst gezielt ausgewählte Videoarbeiten zu sehen sein. In ihnen arbeitet Alex Hubbard mit einer von oben aufgenommen Bildebene, die ohne Unterlass von starkfarbigen, vagabundierenden Dingen, von allerlei Treibgut wie Farbe, Glas, Holz, Klebstoff, Tapete, Werkzeug, Alltagsutensilien usw. durchzogen wird. Alles ist in ständiger Bewegung, eilig und rastlos. Schlag auf Schlag erscheinen Dinge und Materialien. Sie kippen um, sie erscheinen und verschwinden, werden überdeckt und zugebaut, sie zerbrechen, zerbröseln, krachen zusammen, sie werden verschoben, driften, gleiten weg, hüpfen, kreiseln, sie werden übergossen und bekleckert. Referenzen an das Action Painting klingen an. Und dabei feiert Alex Hubbard mit jeder Sekunde seiner kinetischen Malerei etwas von der Kraft eines Desasters. Bei längerer Betrachtung bleibt eine räumliche Verunsicherung nicht aus; Vorstellungen von Oberfläche und Tiefe, von vertikal und horizontal schieben sich permanent wechselnd ineinander. Mit jeder seiner Videoarbeiten schafft Alex Hubbard eine Metapher für die Entstehung und Wahrnehmung von Malerei.

Alisa Margolis (*1975, Kiew, Ukraine) lebt und arbeitet in Berlin. Nach ihrem Studium an der Columbia University, New York und verschiedenen Förderungen, u.a. durch ein Stipendium an der Akademie Schloss Solitude (vorgeschlagen von Dan Graham), hatte sie diverse Einzelausstellungen und Beteiligungen an Gruppenausstellungen. Es befinden sich Werke in privaten und öffentlichen Sammlungen, u.a. in der Saatchi-Collection, London. 2015 war Alisa Margolis Stipendiatin der Villa Romana, Florenz.

Diana Sirianni (*1982, Rom) lebt und arbeitet in Berlin, wo sie 2013 als Meisterschülerin von Gregor Schneider ihr Studium an der Universität der Künste abgeschlossen hat. Sie nahm zahlreiche Stipendien wahr, u.a. der Stiftung Kunstfonds, des DAAD, Art in Residence at Villa Sträuli, Winterthur und BS Projects, HBK Braunschweig, Land Niedersachsen. Ausstellungsbeteiligungen führten sie u.a. 2013 ins MARTa Herford, zum Kunstverein Bregenz oder in die Kunsthalle Osnabrück.

Alex Hubbard (*1975, Toledo, Oregon) lebt und arbeitet in Los Angeles. Seine Arbeiten waren in einer Vielzahl von internationalen Museums- und Galerieausstellungen zu sehen. Es befinden sich Werke in öffentlichen und privaten Sammlungen, u.a. dem Whitney Museum of American Art, New York, dem Seattle Art Museum in Washington, im Museum of Contemporary Art, North Miami, der Fondación Jumex in Mexico City oder dem Fonds Régional d‘ Art Contemporain Poitou-Charentes (FRAC), Angoulem, France.

Text: Städtische Galerie Delmenhorst | Foto: Städtische Galerie Delmenhorst
Externer Link: Städtische Galerie Delmenhorst

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