Dagmar Ranft-Schinke

8.4. – 5.6.17 | Kunstsammlungen Chemnitz

Die Kunstsammlungen Chemnitz am Theaterplatz präsentieren vom 8. April bis zum 5. Juni 2017 erstmals 27 großformatige Gemälde der Chemnitzer Künstlerin Dagmar Ranft-Schinke (*1944). In der Ausstellung mit Werken des einzigen weiblichen Mitglieds der Künstlergruppe “Clara Mosch” werden Arbeiten aus den Jahren 1977 bis 2017 gezeigt.

Intensiv setzt sich Dagmar Ranft-Schinke in ihrem Werk mit den Themenkreisen Mensch, Natur und Umwelt auseinander. Das Pferd in der mythologischen Gestalt des Pegasus tritt in ihren Arbeiten deutlich als wiederkehrendes Motiv hervor. Für die Künstlerin symbolisiert das Flügelpferd als zügellose Kreatur die innere Freiheit. Das Tier fliegt übermächtig zum Horizont und hat eine ungebändigte Vorstellungskraft. Das Thema Freiheit diskutiert die Künstlerin visuell in zahlreichen Werken. Ihre Überlegungen dazu sind stark von den Gedanken Viktor Frankls geprägt, für den die einzig existierende Freiheit des Menschen jedem einzelnen Selbst innewohnt. Sie setzt das Motiv der inneren Freiheit unter anderem in den Gemälden „Erinnerungen“ (1977 und 1984) um. Darin verschwimmen Bilderwelten vergangener Reisen mit der Gegenwart, aber auch vergangene Kulturen werden rückbezüglich in die Gegenwart gesetzt. Eine ungezähmte Fantasie wie die des Flügelpferdes bildet für Ranft-Schinke auch den Ausgangspunkt von Wissenschaft und Kunst. Ihr Werk „Drosophila oder Die Versuchung“ (1981/82) aus dem Bestand der Kunstsammlungen Chemnitz reiht sich bereits früh auf visionäre Art und Weise in die Diskussion zur Gentechnologie ein. Die Auseinandersetzung der Künstlerin mit dem Eingriff in den Schöpfungsprozess zeigt sich bildsprachlich ebenso im ausgestellten Triptychon „Traum des Genetikers“ (1998–2000). Ranft-Schinke prägte für ihre Arbeiten den Begriff des „Visionären Realismus“ und beschreibt damit die fließende Bewegung zwischen Wirklichkeit und Traum, zwischen Bewusstsein und „Vorbewusstsein“, zwischen Gegenwart und Zukunft. Als Reflexion auf die eigene Zeit wählt Ranft-Schinke zum einen die Form der „DRS-Künstlerbriefe“ – wortgewaltig und pointiert führt sie darin fiktive Selbstgespräche in Briefform. Zum anderen kann die Arbeit „Robot Gulliver“ (2008) als eine prüfende Betrachtung der Technisierung der Welt gelesen werden. Verbunden mit dem Ansatz der Künstlerin, dass der Betrachter die Bilder weiterdenken und fertigstellen soll, schafft sie Mensch-Maschine-Wesen, die trotz technischen Fortschritts Geschöpfe mit Moral und Entdeckergeist bleiben sollten. Die Ausstellung steht im Dialog zu der Präsentation mit Arbeiten von Wolfgang Mattheuer, bei dem die Künstlerin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig von 1963 bis 1968 studierte und ihr Diplom ablegte.

 

Text: Kunstsammlungen Chemnitz | Foto: Kunstsammlungen Chemnitz
Externer Link: Kunstsammlungen Chemnitz

 

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