Schau mal, am See sind Ottifanten!

17.6. – 5.11.2023 | Buchheim Museum

Wer hat das Ostfriesentum zum Beruf gemacht? Richtig, der Komiker Otto Waalkes, kurz: Otto! Seinen nunmehr anstehenden 75. Geburtstag nimmt das Multitalent zum Anlass, nach Bayern aufzubrechen, und zwar genau dorthin, wo es (fast) am schönsten ist. An den Ufern des Starnberger Sees, im Buchheim Museum, erwartet man Otto schon sehnsüchtig: „Seine Komik hat unser Land verändert – zum Besseren. Deutschland ist lustiger, lässiger und lockerer geworden“, befindet Museumsdirektor Daniel Schreiber zur langjährigen Wirkung des von Kindern und auch Erwachsenen geliebten Spaßmachers. Der zu Ottos eingängigem Signet gewordene „Ottifant“ wird sich in Bernried sicher in guter Gesellschaft fühlen, denn witzige Tiere genießen dort schon länger Gastrecht: Die Tigerenten von Janosch, die Hühner von Peter Gaymann und die hintersinnig-skurrilen Tiere von Rudi Hurzlmeier hatten am Ort bereits gefeierte Auftritte.

Eine derart die herkömmlichen Grenzen der ganz ernsthaften Künste überschreitende Ausstellungspolitik passt gut in das einst von Lothar-Günther Buchheim begründete und vor gut zwanzig Jahren eröffnete Haus, ging es diesem originellen Kopf – Autor, leidenschaftlichem Sammler, Entdecker und noch vielem mehr –, doch stets um die Lust am Schrägen und gern auch ziemlich Verqueren. „Die Wiesenpfade der Kunst“ nannte er die von ihm begangenen eigenwilligen Wege und da grasten neben Werken des Blauen Reiters schon einmal Karussellpferde; des Sammlers rostig überkrustete BMW-Limousine und ein alter Sowjet-Hubschrauber im Ollover-Blumendekor trafen sich zum friedlichen Stelldichein auf der Wiese vor dem Eingang des „Museums der Phantasie“.

Der Komiker Otto Waalkes ist auf der Bühne zuhause, in Radio, Fernsehen und Film erfreuten seine unerwarteten, vor dem Albernen nicht zurückschreckenden Pointen eine ganze, lange Karriere das Publikum. In Bernried aber äußert sich der Meister des Komischen nicht in Worten, Tönen und Geräuschen, sondern im Bild. Leinwand und Papier sind allerdings keineswegs so neu für Otto, schließlich studierte er in jüngeren Jahren einmal ganz ordentlich an der Hamburger Hochschule für bildende Künste, bevor sich sein Talent für den theatralischen Auftritt unaufhaltsam Bahn brach. Während seiner Bühnenkarriere jedoch ist Waalkes Otto dem Malen und Zeichnen stets treu geblieben: So entstand der besagte „Ottifant“, aber auch zahlreiche andere spielerische, märchenhafte oder ungeniert kalauernde Blätter. „Otto – Die Ausstellung“ bietet einen bunten Querschnitt durch das Lebenswerk: Zeichnungen und Gemälde, Requisiten von Filmen und Live-Auftritten sowie Audio- und Videodokumente – und sogar frühe Zeugnisse in Form von Kindheitsdokumenten. Auf seinen Bildern zoomt sich der Multikünstler, selten ohne die mit „Ottifanten“-Logo gezierte und geflügelte Baseballkappe zu sehen, mit Lust in die Kunstgeschichte, sei es als „Ottifanten“-Reiterdenkmal im barocken Gestus oder bei einer platschenden ottifantischen Arschbombe in David Hockneys Swimmingpool.

Dieter Begemann lebt und arbeitet in Norddeutschland.

OTTO. Die Ausstellung
17.6. – 5.11.2023
Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1
D-82347 Bernried
Tel.: +49-8158-997055
Di – So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 13 €, erm. 6,50 €
www.buchheimmuseum.de

Text: Dieter Begemann
Bild: Buchheim Museum
Erstveröffentlichung in kunst:art 91

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Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!