
Ambivalente Urkraft
Im ursprünglich 1888 vom österreichischen Pfarrer Johann Fahrngruber als Diözesanmuseum gegründeten heutigen Museum am Dom in St. Pölten widmet man sich in seiner jährlichen Sonderausstellung dem Element Feuer. Der mythologischen Sage nach stahl Prometheus das Feuer von Zeus und brachte es den Menschen. Im christlichen Kontext hat es seit jeher eine ungeheure symbolische Kraft. So assoziiert man mit Flammen und Feuer zum einen Energie, Stärke, Leidenschaft und Macht, zum anderen ist es ein unheilbringendes Element, das mit Qual oder Zerstörung in Verbindung gebracht wird.
Die Exponate – teils Leihgaben aus Museen und Klöstern, von Pfarren oder privaten Sammlern – offenbaren eine epochenübergreifende Vielfalt an Objekten: von mittelalterlichen Reliquienschreinen über barocke Goldschmiedekunst, Keramiken und Werken des Jugendstils bis hin zu aktuellen Positionen, wie etwa Maria Moser. Die zwiespältige Kraft des Feuers, das zu erschaffen und zu zerstören vermag, liefert mannigfaltige Reminiszenzen in der Kunstgeschichte. Bibel und Apokryphen liefern schier unzählige Kontexte, in denen das Feuer eine elementare Rolle spielt, doch hat sich die Bildsprache im Laufe der Jahrhunderte natürlich verändert. Im Gegensatz zu den teils schockierenden, im Mittelalter gängigen Darstellungen von Höllen- und Fegefeuer etwa, die zu einer verstärkten Frömmigkeit führen sollten, kommt das moderne Christentum mit einer weitaus sensibleren, aber auch weniger mystifiziert-codierten Symbolik zurecht.
In Feuer geboren
11.04. – 31.10.2025
Museum am Dom
Domplatz 1
A-3100 St. Pölten
Tel.: +43-2742-324335
Di – Fr 10 – 17 Uhr, Sa + So 10 – 16 Uhr
Eintritt: 8 €, erm. 6 €
www.museumamdom.at
Text: Paula Wunderlich
Bild: Museum am Dom
Erstveröffentlichung in kunst:art 104






