
Können wir Bilder hören?
Unsere fünf Sinne sind bekanntlich in entsprechend separaten Rezeptionsorganen verortet, was aber nicht heißt, dass sie sich nicht auch überschneiden können. Das war zumindest eine Grundüberzeugung vieler Positionen der nachmals so genannten klassischen Moderne. Die berief sich dabei gerne auf zeitgenössische weltanschauliche Lehren wie beispielsweise die Anthroposophie. Beim Hören des Sehens (oder umgekehrt) wäre zuvörderst natürlich Wassily Kandinsky zu nennen, der dergleichen Synästhesien gerne schon in seinen Bildtiteln beschwor. Das Wilhelm Hack Museum in Ludwigsburg untersucht das Phänomen in einer systematisierten Schau, die nicht nur den Vordenker des Blauen Reiters präsentiert, sondern vergleichbare Ansätze vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in unsere Tage zusammenbringt.
„Vom Klang der Bilder“ setzt an bei der auffälligen Häufung dargestellter Musikinstrumente in der Malerei des Kubismus, arbeitet die quasi-musikalische Rhythmisierung abstrakter Bildkompositionen heraus – Robert Delaunay ist hier wichtig, aber auch Otto Nemitz aus den 1980ern – und öffnet schließlich den Horizont mit Positionen aus dem Umkreis von Fluxus. Mit manipulierten Musikinstrumenten können schräge Klänge erzeugt werden, gleichzeitig finden sich hier Parallelitäten zur plastischen Objektkunst. Oder radikal minimalistisch: Timm Ulrichs offeriert 1970 ein Kästlein mit zwei Muscheln (ans geneigte Ohr zu halten) als „Hör-Spiel totaler Musik“.
Our Voices. 75 Jahre Deutscher Künstlerbund
24.05. – 14.9.2025
Wilhelm-Hack-Museum
Berliner Str. 23
D-67059 Ludwigshafen am Rhein
Tel.: +49-621-5043045
Di – Fr 11 – 18 Uhr, Do 11 – 20 Uhr, Sa + So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 7 €, erm. 5 €
www.wilhelmhack.museum
Text: Dieter Begemann
Bild: Wilhelm-Hack-Museum
Erstveröffentlichung in kunst:art 104




