
Energetische Verdichtungen
Eine Frau schaut in physisch nicht möglichen Posen in ihre Hand wie in einen Spiegel. Ihr langer Zopf wirkt wie eine Wirbelsäule, und ihr ist durch die Farben, die ihren Körper formen, eine Aura voller Energie zu eigen. Das Bild „Aymara“ (2025) steht beispielhaft für Sandra Vásquez de la Horras energetische Verdichtungen, die aktuell im Haus der Kunst zu sehen sind. In dem Bild sind viele Symbole enthalten. Eines davon sind die Steine, die die Figur umgeben. „Sie ähneln den Treppenskulpturen der Inka, die auch eine Verbindung der physischen und spirituellen Welt repräsentieren“, erklärt die 1967 geborene Künstlerin.
Ein weiteres Symbol ist der Spiegel, in dem man Einblick in übernatürliche Welten erhält. Vásquez de la Horras Arbeiten kreisen um Spiritualität, Gewaltgeschichte und weibliche Selbstermächtigung. Ihre Figuren scheinen schwebend, verletzlich, zugleich widerständig. Linien bleiben tastend, Farben zurückgenommen – als wolle sich jedes Motiv erst vorsichtig materialisieren. Besonders eindrucksvoll ist, wie die Künstlerin persönliche und kollektive Erfahrungen miteinander verschränkt: Erinnerungen an die chilenische Diktatur, an Migration und patriarchale Strukturen erscheinen verdichtet in Zeichen, Körperhaltungen und ritualhaften Szenen. Die Ausstellung verzichtet bewusst auf Pathos. Vásquez de la Horras Kunst behauptet sich nicht durch spektakuläre Gesten, sondern durch eine fragile Intensität, die Körper, Geschichte und Spiritualität unauflöslich miteinander verbindet.
Sandra Vásquez de la Horra. Soy Energía
14.11. – 17.5.2026
Haus der Kunst
Prinzregentenstr. 1
D-80538 München
Tel.: +49-89-21127113
Mo + Mi – So 10 – 20 Uhr, Do 10 – 22 Uhr
Eintritt: 15 €, erm. 11 €
www.hausderkunst.de
Text: Stefan Simon
Bild: Haus der Kunst
Erstveröffentlichung in kunst:art 107





