Premiere des Bayerischen Kunstpreises

Der Freistaat Bayern hat am 18. November erstmals den Bayerischen Kunstpreis verliehen. Christoph Kürzeder, Direktor des Diözesanmuseums Freising, wurde als Kulturbotschafter geehrt, das Haus der Kunst für seine feministische Ausstellung zu Environments. Der neue Staatspreis ersetzt den bisherigen privat gesponserten Kulturpreis Bayern.

Der Freistaat Bayern hat einen neuen Kunstpreis geschaffen. Am 18. November 2025 wurde der Bayerische Kunstpreis erstmals im Bergson Kunstkraftwerk München vor 450 Gästen verliehen. Zu den Preisträgern zählen Dr. Christoph Kürzeder, Direktor des Diözesanmuseums Freising, der als Kulturbotschafter ausgezeichnet wurde, sowie das Haus der Kunst München für die Ausstellung „Inside Other Spaces“. Beide Preise sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert.

Der Bayerische Kunstpreis ersetzt den Kulturpreis Bayern, der seit 1959 vom Energieunternehmen Bayernwerk getragen wurde. Nachdem die Band „Dicht & Ergreifend“ den Preis 2023 als „Werbeveranstaltung der Energiewirtschaft“ ablehnte, überführte Kunstminister Markus Blume die Auszeichnung in staatliche Trägerschaft. Der Preis wird künftig in acht Kategorien vergeben: Ausstellung, Stimme, Kreatives Schaffen, Innovation, Programm, Kulturbotschafter, Performance und Besonderer Ort. Hinzu kommt der undotierte Ehrenpreis des Ministerpräsidenten, den 2025 der Kabarettist Gerhard Polt erhielt.

Christoph Kürzeder: Erneuerer der Museumslandschaft

Christoph Kürzeder leitet seit 2012 das Diözesanmuseum Freising, das mit rund 50.000 Objekten zu den größten religionsgeschichtlichen Museen weltweit zählt. Der promovierte Theologe und Volkskundler hat das Museum nach neunjähriger Sanierung 2022 mit einem radikal neuen Konzept wiedereröffnet. Statt chronologischer Kunstgeschichte stehen anthropologische Grundfragen im Zentrum: Geburt, Leid, Tod, Schuld. Eine James-Turrell-Lichtinstallation und eine von Kiki Smith gestaltete Kapelle markieren die zeitgenössische Öffnung des Hauses.

Kunstminister Blume würdigte Kürzeder als „Held der Kunstszene“, bei dem man sofort merke, dass er für Kunst und Kultur brenne. Die Ausstellung „Verdammte Lust! Kirche. Körper. Kunst.“ aus dem Jahr 2023 mit Werken von Leonardo da Vinci bis Artemisia Gentileschi unterstrich Kürrzeders Reputation als innovativer Kurator. Bereits 2023 hatte der Freistaat den gebürtigen Oberbayern mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Haus der Kunst würdigt feministische Kunstgeschichte

Das Haus der Kunst erhielt den Preis für die Ausstellung „Inside Other Spaces. Environments von Künstlerinnen 1956–1976″, die von September 2023 bis März 2024 zu sehen war. Die von Andrea Lissoni und Marina Pugliese kuratierte Schau rekonstruierte elf immersive Kunstwerke von Pionierinnen der Environments-Kunst, darunter Judy Chicago, Lygia Clark, Marta Minujín und Nanda Vigo. Das Genre, das räumliche Installationen zur Kunsterfahrung macht, wurde in der Kunstgeschichte lange von männlichen Künstlern dominiert.

Die Auszeichnung unterstreicht die erfolgreiche Neuausrichtung des Hauses unter Direktor Andrea Lissoni, der seit 2020 im Amt ist. Der gebürtige Mailänder, zuvor Senior Curator an der Tate Modern, hat dem Museum mit einem erweiterten Kunstbegriff und Fokus auf Film, Sound und Performance internationales Profil verschafft. Das 1937 als „Haus der Deutschen Kunst“ im Auftrag Adolf Hitlers errichtete Gebäude dokumentiert heute seine NS-Vergangenheit in der frei zugänglichen Archiv Galerie.

Jury und Vergabeverfahren

Die Zusammensetzung der Jury gab das Ministerium nicht bekannt. Laut Kunstminister Blume bringt sie „ausgewiesene Persönlichkeiten aus Kunst, Medien sowie der Kultur- und Kreativwirtschaft“ zusammen. Die endgültige Entscheidung trifft der Minister auf Empfehlung der Jury. Neben der Gelddotierung erhielten die Preisträger die Porzellanfigur „Zerbinetta“ aus der Manufaktur Nymphenburg, die Franz Anton Bustelli 1760 für die Serie „Commedia dell’arte“ entwarf.

Weitere Preisträger sind die Schriftstellerin Tanja Kinkel (Kreatives Schaffen), der Bariton Benjamin Appl (Stimme), das Bergson Kunstkraftwerk (Innovation), das Theater Pfütze Nürnberg (Programm), die Burg Ranfels im Bayerischen Wald (Besonderer Ort) und die Künstlerin Polina Lapkovskaja mit ihrem Projekt Pollyester (Performance). Der neue Preis will nach Angaben des Ministeriums die gesamte Breite der bayerischen Kunstszene würdigen und „Talent und Mut, Neues zu wagen“ auszeichnen.

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