Der südkoreanische Künstler Lee Ufan wird mit dem Wolfgang-Hahn-Preis 2026 ausgezeichnet. Die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig Köln gab die Ehrung am Dienstag bekannt.
Die Preisvergabe an den 1936 geborenen Mitbegründer der japanischen Mono-ha-Bewegung füllt eine bemerkenswerte Lücke in der Sammlung des Kölner Hauses, zumal Lee Ufan seit den 1970er Jahren regelmäßig in Nordrhein-Westfalen ausgestellt hat, ohne dass das Museum Ludwig bislang Werke von ihm besaß. Die Verleihung findet am 6. November 2026 statt, die anschließende Präsentation des angekauften Werks läuft bis zum 4. April 2027.
Mit dem Preisgeld von bis zu 100.000 Euro wird ein Werk oder eine Werkgruppe für die Museumssammlung erworben, wobei die konkrete Auswahl noch nicht bekanntgegeben wurde. Gastjurorin Mami Kataoka, Direktorin des Mori Art Museum in Tokio, würdigte Lee Ufans sechzigjährige künstlerische Arbeit, die die wesentliche Bedeutung von Existenz in allen Beziehungen erforsche, ohne westlichem Modernismus zu folgen oder sich in östliche spirituelle Traditionen zurückzuziehen. Museumsdirektor Yilmaz Dziewior betonte, dass Werke Lee Ufans seit Langem auf seiner persönlichen Wunschliste gestanden hätten.
Zwischen Stein und Philosophie
Lee Ufan prägte als Theoretiker und Künstler die Mono-ha-Bewegung, die von 1968 bis 1975 in Tokio gegen westliche Repräsentationskonzepte rebellierte und rohe Materialien wie Stein, Stahl oder Holz in ihrem natürlichen Zustand erforschte. Seine seit 1968 entstehenden Relatum-Arbeiten kombinieren Natursteine mit Industriematerialien zu minimalistischen Skulpturen, während die Gemäldeserien From Point und From Line repetitive Gesten auf monochromen Flächen untersuchen. Der Ansatz basiert auf der unmittelbaren Begegnung zwischen Künstler, Material und Raum, wenngleich Lee Ufan parallel auch die koreanische Dansaekhwa-Bewegung beeinflusste.
International wird der in Kamakura und Paris lebende Künstler von Pace Gallery, Lisson Gallery und Kamel Mennour vertreten, während die Galerie m Bochum seit 1975 seine Arbeiten in Deutschland zeigt. Lee Ufan erhielt 2001 den Praemium Imperiale für Malerei, der als Nobelpreis der Kunst gilt, und besitzt mit dem Lee Ufan Museum auf Naoshima sowie Lee Ufan Arles zwei von Tadao Ando gestaltete Museumshäuser. Werke befinden sich im MoMA New York, Centre Pompidou Paris, Tate London und seit der Retrospektive 2023/24 prominent im Hamburger Bahnhof der Nationalgalerie Berlin.
Tradition seit drei Jahrzehnten
Der Wolfgang-Hahn-Preis ehrt den Kölner Sammler und Restaurator Wolfgang Hahn, der als Gründungsmitglied der Gesellschaft für Moderne Kunst und Leiter der Restaurierungswerkstätten am Museum Ludwig zum internationalen Ruf Kölns als Kunstmetropole beitrug. Seit 1994 vergibt die über 650 Mitglieder starke Gesellschaft die Auszeichnung jährlich, wobei das gesamte Budget in den Werkankauf fließt statt in eine Geldprämie. Zu früheren Preisträgern zählen Cindy Sherman, James Lee Byars, Kerry James Marshall und zuletzt Evelyn Taocheng Wang.
Die Jury wählt international anerkannte Künstler aus, die in Deutschland noch nicht ausreichend bekannt sind und deren Werk im Museum Ludwig fehlt. Lee Ufan erfüllt diese Kriterien trotz seiner documenta-Teilnahme 1977 und zahlreicher Ausstellungen in NRW, da die Kölner Sammlung bisher ohne seine Arbeiten auskommen musste. Mit nun 88 Jahren erhält einer der einflussreichsten lebenden Vertreter minimalistischer Kunst eine späte, aber umso bedeutendere institutionelle Würdigung im Rheinland.