Nach der Festnahme des vierten Haupttäters am 25. November sind nun alle Mitglieder des Kommandos identifiziert, das am 19. Oktober acht Kronjuwelen im Wert von 88 Millionen Euro aus dem Louvre raubte. Die historischen Schmuckstücke – darunter Napoleons Hochzeitsgeschenke und Diademe der Kaiserin Eugénie – bleiben jedoch verschwunden.
Die französische Polizei hat am 25. November den vierten und letzten mutmaßlichen Haupttäter des spektakulären Kronjuwelen-Diebstahls aus dem Louvre verhaftet. Der 38-jährige Mann wurde in Laval, rund 300 Kilometer westlich von Paris, auf einer Baustelle festgenommen. Mit dieser Festnahme sind nun alle vier Mitglieder des Kommandos identifiziert, das am 19. Oktober acht historische Schmuckstücke im Wert von 88 Millionen Euro erbeutete.
Bei der koordinierten Aktion der Brigade de répression du banditisme wurden insgesamt vier Personen in Gewahrsam genommen: zwei Männer im Alter von 38 und 39 Jahren sowie zwei Frauen von 31 und 40 Jahren. Nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft stammen alle Verdächtigen aus der Île-de-France. Die genauen Rollen der drei weiteren Festgenommenen werden noch ermittelt, es besteht der Verdacht auf Beihilfe bei Planung oder Flucht.
Sieben Minuten für einen Jahrhundertraub
Das vierköpfige Kommando hatte am Morgen des 19. Oktober, nur 30 Minuten nach Museumsöffnung, die Galerie d’Apollon heimgesucht. Die Täter nutzten einen gestohlenen Möbelaufzug mit Hebebühne, fuhren an die Seine-Fassade und stiegen in gelben Warnwesten getarnt zum Balkon im ersten Stock auf. Mit Akku-Trennschleifern durchtrennten sie ein Fenster und zwei Hochsicherheitsvitrinen, bedrohten Sicherheitskräfte mit den Werkzeugen und entkamen nach sieben Minuten auf zwei Yamaha-Rollern Richtung Autobahn.
Unter den gestohlenen Objekten befinden sich das Smaragd-Collier der Kaiserin Marie-Louise mit 1.138 Diamanten, ein Hochzeitsgeschenk Napoleons von 1810, sowie das Perlen-Diamant-Diadem der Kaiserin Eugénie mit 212 Perlen aus dem Jahr 1853. Die Täter verloren auf der Flucht die Krone der Kaiserin Eugénie, die beschädigt nahe dem Museum gefunden wurde. Louvre-Direktorin Laurence des Cars bestätigte, dass eine Restaurierung möglich sei.
Kleinkriminelle aus dem Pariser Norden
Die ersten beiden Hauptverdächtigen waren bereits Ende Oktober gefasst worden. Ayed G., ein 34-jähriger algerischer Staatsbürger, wurde am Flughafen Charles de Gaulle beim Versuch festgenommen, mit einem Einwegticket nach Algier auszureisen. Abdoulaye N., 39 Jahre alt und als Social-Media-Star mit Hunderttausenden Followern für seine Motocross-Stunts bekannt, hatte ironischerweise einst als Sicherheitskraft im Centre Pompidou gearbeitet. Beide haben ihre Beteiligung teilweise gestanden und gaben an, im Auftrag nicht identifizierter Personen gehandelt zu haben.
Ende Oktober folgte die Festnahme von Slimane K., 37 Jahre alt, dessen DNA in der Hebebühne gefunden wurde. Er war 2015 bereits gemeinsam mit Abdoulaye N. wegen Juwelendiebstahls verurteilt worden. Staatsanwältin Laure Beccuau charakterisierte die Täter als Kleinkriminelle aus der Region Seine-Saint-Denis, keine Profis der organisierten Kriminalität.
Systemversagen ermöglichte den Coup
Der Einbruch offenbarte gravierende Sicherheitsmängel. Nur 39 Prozent der Museumsräume standen unter Videoüberwachung, die Außenkamera an der Galerie d’Apollon war falsch ausgerichtet. Kulturministerin Rachida Dati sprach von einer chronischen Unterschätzung des Einbruchsrisikos seit 20 Jahren. Die Vitrinen, 2019 für Waffenangriffe aufgerüstet, seien gegen Trennschleifer-Attacken nicht konzipiert gewesen, räumte Direktorin des Cars ein.
Trotz der Festnahmen bleiben die acht Juwelen verschwunden. Über 100 Ermittler arbeiten am Fall, Interpol hat die Schmuckstücke in seine Datenbank gestohlener Kunstwerke aufgenommen. Experten befürchten, dass die Edelsteine bereits aus den Fassungen gebrochen und das Gold eingeschmolzen worden sein könnte. Die Suche nach den Hintermännern und möglichen Auftraggebern läuft weiter.


