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100. Todestag und 160. Geburtstag in einem Jahr

14.04. - 7.9.2025 | Kunst Museum Winterthur

Félix Vallotton, La blanche et la noire, 1913

Umfangreiche Ehrung von Félix Vallotton in Winterthur

Zwischen 1837 und 1843 schrieb Honoré de Balzac (1799–1850) den dreiteiligen Roman „Verlorene Illusionen“, in dem es um einen jungen Mann geht, der in der Gesellschaft aufsteigen will. Allerdings scheitert er und landet ganz unten. In diesem Jahr ehrt das Kunst Museum Winterthur einen ganz besonderen Künstler der Schweiz: Félix Vallotton (1865–1925). Zu seinem 100. Todestag und 160. Geburtstag widmet ihm das Haus eine umfangreiche Schau an zwei Orten mit dem Titel „Illusions perdues“, in Anlehnung an den Roman Balzacs.

Die Parallelen zwischen dem Schriftsteller und dem Künstler liegen in der Betrachtung der Gesellschaft. Was Balzac pointiert in Worte fasste, verewigte Vallotton in seiner Kunst. Es ist das Entlarven des gesellschaftlichen Scheins, der seine Anziehungskraft bis heute übrigens nicht verloren hat. Die Reichen und Schönen: Die einen haben das Geld, die anderen die Jugend. Balzacs Protagonisten stört es nicht, dass seine angebetete Aristokratin um einiges älter ist als er. Jedoch überwindet diese Liebe nicht die Schranken der Gesellschaft, der Sprung nach oben geht daneben. Bei Vallotton ist es der messerscharfe Blick des Künstlers, der mit seinem akkuraten Pinselstrich davon erzählt, wie es in der gehobenen Gesellschaft ist. Von einer Freiheit kann hier keine Rede sein, denn die strengen Etiketten sind wie Fallstricke und wer darin hängen bleibt, der stürzt im freien Fall.

Geboren wurde Félix Vallotton in Lausanne. In Paris ließ er sich bei Gustave Boulanger und Jules-Joseph Lefebvre an der Académie Julian zum Künstler ausbilden. Ab 1885 führte er Buch über seine Werke bis zu seinem Tod. Das Verzeichnis wurde von ihm chronologisch geführt. In den 1890er-Jahren sorgten seine Holzschnitte für Aufsehen, da sie konsequent in Schwarz-Weiß ausgeführt waren. 1892 trat er der Künstlergruppe Nabis bei, die bis 1905 bestand. In der Malerei orientierte er sich an Gustave Courbet und Édouard Manet, fand aber seine eigene klare Formensprache in der Moderne. Geprägt vom Impressionismus hebt sich seine Malerei durch genaues und exaktes Beobachten ab. Der Künstler beschönigt nichts und doch strahlen seine Werke in ihrer Ehrlichkeit eine nüchterne Schönheit und Eleganz aus.

Mit dem Einzug in die Moderne verliert die Kunst ihre Illusion in der Darstellung, die der Realität damit weicht. Vallottons Nabis-Freund Maurice Denis (1870–1943) brachte es auf den Punkt: „Es sollte bedacht werden, dass ein Bild, bevor es ein Schlachtpferd, eine nackte Frau oder irgendeine Anekdote ist, im Wesentlichen eine gewöhnliche Fläche ist, überzogen mit in bestimmter Weise angeordneten Farben.“

Im Reinhart am Stadtgarten ist der Hauptteil der Ausstellung mit Gemälden und Zeichnungen zu sehen und in der Villa Flora Holzschnitte und Blumenstillleben. Das Kunst Museum Winterthur besitzt eine der umfangreichsten Sammlungen des Künstlers weltweit. Den Bestand verdankt das Haus Hedy und Arthur Hahnloser, die als eine der Ersten in der Schweiz Vallotton-Werke sammelten.

Nadja Naumann lebt und arbeitet als freie Journalistin in Mitteldeutschland. Ihre zweite Leidenschaft neben der Kunst sind Rennpferde, Traber und Polo.

Félix Vallotton. Illusions perdues (Holzdrucke)
bis zum 7.9.2025
Kunst Museum Winterthur
Villa Flora
Tösstalstr. 44
CH-8400 Winterthur
Tel.: +41-52-2675162
Di – So 10 – 17 Uhr, Mi 10 – 20 Uhr
Eintritt: 26 CHF, erm. 19 CHF
www.kmw.ch

Text: Nadja Naumann
Bild: Kunst Museum Winterthur
Erstveröffentlichung in kunst:art 104

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