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Ein neuer Blick auf das Luftschiff in der Fotografie in Friedrichshafen

6.6.2025-12.4.2026 | Zeppelin Museum Friedrichshafen

Mock up of AI generated images based on a dataset of Zeppelin images from the Zeppelin Museum, work in progress, 2024

Der Zeppelin und die Macht der Bilder

Vor 125 Jahren erhob sich zum ersten Mal ein Luftschiff des Grafen Ferdinand von Zeppelin. Als Anhänger von Bismarck war er infolge von Bismarcks Rücktritt von seinem Posten in der württembergischen Gesandtschaft in Berlin entlassen worden. Er beklagte die „schauerliche Leere der Berufslosigkeit“ und begann, sich intensiv mit der Luftfahrt zu beschäftigen. Als Privatier hatte er jedoch keine Chance, ein Luftschiff zu bauen, das knapp eine Million Mark kosten sollte. Zeppelin wurde Mitglied im Verein der deutschen Ingenieure, der das Projekt mit 400.000 Mark unterstützen konnte. Öffentlich wurde er als Narr belächelt.

1898 erhielt Zeppelin ein Reichspatent für den Bau eines lenkbaren Luftschiffes, sodass er 1900 mit seinem Luftschiff drei Mal über dem Bodensee aufsteigen konnte. Kaiser Wilhelm II., der den Erfinder zunächst als den „Dümmsten aller Süddeutschen“ qualifiziert hatte, änderte seine Meinung. Diejenigen, die den Aufstieg des Luftschiffes beobachtet hatten, waren hellauf begeistert. Der Kaiser musste umdenken und verlieh 1901 dem Narren Zeppelin den Roten Adlerorden 1. Klasse. Damit war jedoch keine Finanzierung des Projekts verbunden. Erst der Aufruf einer „Zeppelinspende des Deutschen Volkes“ konnte die Gründung einer Luftschiffbau Zeppelin GmbH und der Zeppelin-Stiftung ermöglichen.

1908 dann erwarb die Militärverwaltung das voll funktionsfähige Luftschiff LZ 3, ab 1909 wurden weitere Luftschiffe in der zivilen Luftfahrt eingesetzt. 1912 wurde ebenfalls bei Potsdam eine große Luftschiffshalle errichtet. Mehr als 1.500 Fahrten absolvierten die Zeppeline bis zum Beginn des ersten Weltkriegs, etwa 35.000 Passagiere dürften sie transportiert haben.

Das große Unglück geschah am 6. Mai 1937, als der Zeppelin LZ 129 „Hindenburg“ bei Lakehurst (Manchester Township im Bundesstaat New Jersey) in Brand geriet – wahrscheinlich, weil sich der Traggas-Wasserstoff durch statische Elektrizität entzündete. Von 97 Passagieren starben 35. Es war das Ende der Luftschifffahrt vor dem Zweiten Weltkrieg – die Öffentlichkeit verlor das Vertrauen zu diesem Transportmittel.

Das Zeppelin Museum besitzt ein imposantes Konvolut an historischen Fotografien, die verschiedene Etappen der technischen Entwicklung und der außerordentlichen Flugerfolge des Zeppelins dokumentieren. Auch berühmte Fotografen wie Alfred Eisenstaedt, Martin Munkacsi oder der Leica-Fotograf Paul Wolff, der ebenfalls mit einer Plattenkamera arbeitete, schufen bemerkenswerte Aufnahmen des Luftschiffs.

Wie Bilder Macht transportieren und auch zur Manipulation genutzt werden, reflektiert die aktuelle Ausstellung. Dazu wurden auch international tätige Künstler wie Aziza Kadyri, Christelle Oyiri, Ebb.global & Neil Beloufa eingeladen, um den reichen fotografischen Beständen des Museums eine neue Dimension (aus nicht-westlicher, queer-feministischer Perspektive) zu verleihen. Sie entwickelten ihre Arbeiten eigens für diese Präsentation und griffen dabei auch ikonische Bilder wie die staubbedeckte Frau nach 9/11 auf. Prädikat: spannend.

Dr. Milan Chlumsky promovierte an der Pariser Sorbonne über Ästhetik und den tschechischen Poetismus.

Bild und Macht. Zeppelin-Fotografie im Fokus
6.6.2025-12.4.2026
Zeppelin Museum Friedrichshafen
Seestr. 22
D-88045 Friedrichshafen
Tel.: +49-7541-38010
Täglich 9 – 17 Uhr
Eintritt: 14,50 €, erm. 9,50 €
www.zeppelin-museum.de

Text: Dr. Milan Chlumsky
Bild: Zeppelin Museum Friedrichshafen
Erstveröffentlichung in kunst:art 104

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