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Hito Steyerl im MAK Museum für angewandte Kunst Wien

25.6.2025 – 11.1.2026 | Museum für angewandte Kunst

Hito Steyerl, Mechanical Kurds, 2025

„Man kann eine Frau nicht hoch genug überschätzen“

Die Worte des österreichischen Schriftstellers und Verlegers Karl Kraus (1874–1936) in seiner Aphorismensammlung „Nächte“ (1918) sind sowohl die Quelle für den Titel dieses Essays als auch für jenen von Hito Steyerls erster Einzelausstellung in Wien, „Der Menschheit ist die Kugel bei einem Ohr hinein und beim anderen hinausgeflogen“, ein Projekt, das von Museumsdirektorin Lilli Hollein entwickelt und von Bärbel Vischer, Kustodin der Sammlung Gegenwartskunst, umgesetzt wurde.

In einem hohen Saal im Erdgeschoss des Museums hat Steyerl drei Videolandschaften installiert, eingebettet in einen Dschungel aus Metallwänden und -stangen und betonartigen Elementen. Man ist vom ersten Moment an von der Leichtigkeit und dem Verständnis für Design und Raumnutzung gefesselt, die hier gezeigt werden. So sehr sich Hito Steyerl auch als Künstlerin positioniert hat, die sich nicht scheut, schwierige und komplexe Themen der Zeit anzugehen, so muss man doch sagen, dass sie in dieser Ausstellung, im Internet-Jargon: „die Aufgabe verstanden hat“ (understood the assignment). Steyerl hat im Auftrag einer Designexpertin, die auch die Tochter eines der bekanntesten österreichischen Architekten des 20. Jahrhunderts, Hans Hollein (1934–2014), ist, eine magische und scharfsinnige architektonische Landschaft in einem der wichtigsten Museen für Designgeschichte der Welt geschaffen. In der Ausstellung hat man den Eindruck, dass Hito Steyerl die österreichische angewandte Kunst und das Design aufgesaugt und in ihr eigenes verwandelt hat.

Die Künstlerin hat japanische Wurzeln, und obwohl sie in Deutschland geboren und aufgewachsen ist und derzeit dort lebt, hat sie auch in Japan an dem vom bahnbrechenden Filmemacher Shōhei Imamura gegründeten „Institute of the Moving Image“ studiert. So wie Tanizaki Jun’ichirō 1933 in seinem Essay „Lob des Schattens“ versuchte, die japanische Ästhetik im Lichte der westlichen Zivilisation zu verstehen, hat Hito Steyerl hier ein sehr subtiles Statement abgegeben, das ein lautes Bekenntnis zu einer möglichen Versöhnung von Ost und West ist. Es ist eine bereichernde Perspektive, die uns diese Ausstellung im MAK bietet: Hito Steyerls bekanntes, facettenreiches Werk aus der Sicht der Architektur und des Designs zu betrachten und ihr tiefes kulturelles Erbe zu reflektieren kann als willkommene Ergänzung zum Verständnis ihrer nuancierten, politischen Videokunst gesehen werden.

In dieser Ausstellung sind alle Videos auf angenehm mittelgroßen Bildschirmen zu sehen, die auf verschiedenen Höhen angebracht sind. Die Ausnahme ist die Leinwand im hinteren Teil der Ausstellung, die Kino-Größe anstrebt. Im vorderen Teil der Ausstellung gibt es Sitzmöglichkeiten auf den großen Leuchtkästen, die in Blockbuchstaben die Worte buchstabieren, die den Titel des Stücks bilden („Hell Yeah We Fuck Die“, 2016). Im hinteren Bereich sind drei Tuk-Tuks (Auto-Rikschas) nebeneinander geparkt, in denen die BesucherInnen Platz nehmen und das Video „Mechanical Kurds“ (2025) wie in einem amerikanischen Autokino anschauen können. Hito Steyerl erobert Wien!

Dr. Renée Gadsdens aktuelles Kunstberatungsprojekt „ROTUNDA: Begegnungsmusik“ des Komponisten Rupert Huber ist eine ortsbezogene Musikskulptur, die sie für die Rotunde der Pinakothek der Moderne konzipiert hat.

Hito Steyerl
25.6.2025 – 11.1.2026
Museum für angewandte Kunst
Stubenring 5
A-1010 Wien
Tel.: +43-1-71136248
Di 10 – 21 Uhr, Mi – So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 16,50 €, erm. 13,50 €
www.mak.at

Text: Dr. Renée Gadsdens
Bild: Museum für angewandte Kunst
Erstveröffentlichung in kunst:art 104

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