Kunst direkt ins Postfach

Der kunst:letter – jeden Montag & Donnerstag

  • Ausstellungen
  • Kunstnews
  • Presseschau

Mit der Anmeldung erklären Sie sich mit unserer Datenschutzerklärung einverstanden.

Fast geschafft!

Wir haben Ihnen eine E-Mail mit einem Bestätigungslink geschickt. Bitte klicken Sie auf den Link, um Ihre Anmeldung abzuschließen.

Keine E-Mail erhalten?Schauen Sie bitte auch in Ihren Spam-Ordner.

Emil Nolde Ausstellung in Seebüll: Beziehungen zwischen Mensch, Natur und Kunst

1.3.2026 – 31.10.2026 | Nolde Museum Seebüll

Emil Nolde Ausstellung – Emil Nolde, Gemaelde: Baeuerinnen mit Eimern auf Feldweg, expressiver Abendhimmel in Rot und Orange
Nolde Stiftung Seebüll

Eintauchen in die Gefühle

Zwar hat die vordem gern kolportierte Künstlerlegende um den großen Schweiger von der Küste Schleswig-Holsteins, „meerumschlungen“ bekanntlich, in jüngerer Zeit erheblich an Glanz eingebüßt – das ändert aber nichts an Farbschönheit und Gefühlsintensität seiner Kunst. Die Stiftung Seebüll, benannt nach dem Anwesen Emil Noldes (1867–1956) und seiner Frau Ada (1879–1946), wurde gegründet anlässlich des Todes des Künstlers und pflegt seither Haus wie künstlerisches Erbe.

Eine Dauerausstellung im unlängst aufwendig restaurierten Wohn- und Ateliergebäude zeigt wesentliche Werke, die die Entwicklung Noldes nachvollziehen lassen. Draußen entzückt der bäuerliche Garten, Refugium und unerschöpflicher Motivvorrat zugleich, die zahlreichen Besucher bis heute. Im Jahre 2026 jährt sich der Todestag des Künstlers zum 70., der seiner Frau zum 80. Male: Eine Fotoausstellung erinnert an die Stifter und die 44 Jahre ihres gemeinsamen Lebens.

Da war es nur naheliegend, für dieses Jubiläumsjahr als Thema der regelmäßigen Jahresausstellung auf Seebüll „Beziehungen“ zu wählen, Beziehungen zwischen „Menschen, Natur und Kunst“. Tatsächlich könnte man Noldes Kunst als eine von Begegnungen auffassen, die tief empfunden werden: das Erlebnis der friesischen Landschaft an erster Stelle, des stürmisch aufgewühlten oder spiegelnd daliegenden Meeres, der von der Meeresnähe bewirkten dramatischen Lichteffekte, der Vertiefung in die Schönheit der Blumen im sorgsam gehegten Garten. Und natürlich die Erfahrung tiefer menschlicher Begegnungen, die glücklichen Gleichklang, gar Intimität entstehen lassen oder in fremder Distanz, bis hin zum Zusammenprall, verharren. Wie auch immer, stets sei, so Joachim von Lepel, langjähriger Assistent Noldes und ab 1956 Gründungsdirektor der Stiftung, „das Werk Noldes (…) weniger mit dem Intellekt als vom Ereignis her, vom Naturhaften zu erfassen.“ Man sollte sich freilich hüten, den Künstler nur von einer (von ihm selbst oder anderen) als naturwüchsig stilisierten Singularität her zu sehen; die Pariser Lehrzeit um 1900 herum belegt schließlich die intensive Auseinandersetzung mit Zeitgenossen wie van Gogh, Munch, später den Expressionisten, aber auch mit altmeisterlichen Größen, von deren Kompositionskunst er sich beeinflussen ließ. Das ist unübersehbar bei den religiösen Werken, die sich klar in die Tradition stellen.

Die Emotionalität, mit der Nolde die Welt sah, mag sie uns im Pathos auch ein wenig fremd geworden sein, eröffnet doch immer noch einen Zugang für den heutigen Betrachter, der hier mit dem eigenen Empfinden der Widersprüche und Schönheiten des Lebens und der Welt anknüpfen kann – über mehr als ein Jahrhundert hinweg. Die von Christian Ring, dem Direktor des Hauses, konzipierte 70. Jahresausstellung greift, wie immer, auf den umfangreichen Nachlass zurück, der in Seebüll aufbewahrt wird: zahlreiche Ölgemälde, Aquarelle und Druckgrafik sind zu sehen, darunter 37 noch nie gezeigte Arbeiten.

Dieter Begemann ist Künstler und Kunstwissenschaftler, der Architektur, Design, Autos und Italien liebt!

Emil Nolde. Beziehungen zwischen Menschen, Natur und Kunst
1.3. – 31.10.2026
Nolde Museum Seebüll
Seebüll 31
D-25927 Neukirchen
Tel.: +49-4664-983930
Täglich 10 – 18 Uhr
Eintritt: 12 €, erm. 8 €
www.nolde-museum.de

Anzeige
Anzeige