
Alles in Bewegung
Er hätte individueller nicht sein können, der moderne Ausdruckstanz zu Zeiten der Weimarer Republik. Tänzerinnen wie Mary Wigman, Gret Palucca oder Valeska Gert wirbelten barfuß über die Bühne. Sie trugen lockere Kleidung oder ausgefallene Kostüme und fanden jeweils zu einem eigenen Stil, indem sie Gefühle oder Botschaften in faszinierende Bewegungsmuster verwandelten. Wer dafür um 1900 den Weg geebnet hatte, wurde bereits im ersten Teil der Ausstellung „Tanz wird Kunst“ im Edwin Schaff Museum in Neu-Ulm vorgeführt. Ab Dezember folgt dort nun der zweite Teil mit dem Titel „Tanze Dein Leben – Tanze Dich selbst“. Doch darin geht es nicht nur um die oben erwähnten Berühmtheiten, sondern – dem übergeordneten Motto gemäß – um die wechselseitigen Einflüsse zwischen Tanz und Kunst in den 1920er-Jahren.
Viele Künstlerinnen und Künstler waren damals von der Bewegungsrevolution des modernen Tanzes fasziniert, weil er sich von gesellschaftlichen Normen befreite, den klassischen Bewegungskanon sprengte und das Verhältnis von Körper und Raum neu definierte. Gleichzeitig griffen Tänzerinnen und Tänzer Impulse aus der zeitgenössischen Kunst auf. So waren zum Beispiel Ernst Barlach und Heinrich Vogler begeistert von dem mystischen, durch indische Tänze inspirierten Ausdrucksrepertoire von Charlotte Bara, während sich Vera Skoronel für ihre Choreografien von der Konkreten Kunst inspirieren ließ.
Tanze dein Leben / Tanze Dich selbst
6.12.2025 – 3.5.2026
Edwin Scharff Museum
Petrusplatz 4
D-89231 Neu-Ulm
Tel.: +49-731-70502555
Di + Mi 13 – 17 Uhr, Do + Fr 13 – 18 Uhr, Sa + So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 6 €, erm. 5 €
www.edwinscharffmuseum.de
Text: Dr. Julia Behrens
Bild: Edwin Scharff Museum
Erstveröffentlichung in kunst:art 106







