
Ein innerer Dialog der Gattungen
Es ist schon erstaunlich, mit welcher Konsequenz und Beharrlichkeit der als Schauspieler ja nun ziemlich berühmte Armin Mueller-Stahl sich über die Jahre ein gültiges bildkünstlerisches Werk erarbeitet hat. Nein, keinesfalls als Entspannungsübung in der Drehpause, sondern als vieldimensionale Auseinandersetzung mit den Themen der Zeit, der Arbeit und der ureigenen Gefühlswelt. „Sometimes I feel films“, so bringt Mueller-Stahl an einem Beispiel die Vernetzung auf den Punkt. Sich mit hineinziehen lassen kann man in der Emder Kunsthalle, die dem Künstler eine Soloschau widmet.
„Nacht und Tag auf der Erde“ ist sie betitelt und wer würde da nicht sofort an Mueller-Stahl als vormals ostdeutschen Clown denken, den es als (nur mäßig begabten …) Taxichauffeur ins nächtliche New York verschlagen hat. Der (auch musikalisch ausgebildete) Multikünstler paraphrasiert hierbei aber nicht etwa konkrete Szenen aus Jim Jarmuschs Episodenfilm „Night on Earth“, sondern spürt frei und in vielfach instrumentierten, malerisch-zeichnerischen Formen den erlebten Stimmungen nach. So sind die ausgestellten Arbeiten zu Dan Browns „Illuminati“-Verfilmung weitgehend ungegenständlich. Mueller-Stahl denkt in einer nicht-linearen Erzählstruktur, die ganz eigene Sichtfenster unabhängig vom Film öffnet, oft mit großem zeitlichen Abstand zu den Dreharbeiten. Die über hundert Werke der Ausstellung in Emden zeigen Mueller-Stahl als reflektierten Künstler, aber auch als politisch wachen Zeitgenossen.
Armin Mueller-Stahl. Nacht und Tag auf der Erde
15.11. – 12.4.2026
Kunsthalle Emden
Hinter dem Rahmen 13
D-26721 Emden
Tel.: +49-4921-975050
Di – Fr 10 – 17 Uhr, Sa + So 11 – 17 Uhr
Eintritt: 10 €, erm. 7 €
www.kunsthalle-emden.de
Text: Dieter Begemann
Bild: Kunsthalle Emden
Erstveröffentlichung in kunst:art 107





