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Trump plant den größten Triumphbogen der Welt in Washington

Der Arc de Triomphe in Paris misst 49,54 Meter in der Höhe. Der geplante Bogen soll ihn um 25 Meter überragen. Foto: Vovich / Wikimedia Commons / Public Domain

Donald Trump will in Washington den größten Triumphbogen der Welt errichten lassen. Der sogenannte „Independence Arch“ soll 76 Meter hoch werden und damit das Pariser Vorbild um mehr als 25 Meter übertreffen.

Der Präsident konkretisierte seine Pläne am vergangenen Wochenende an Bord der Air Force One. Er wolle „den größten von allen“ bauen, sagte Trump gegenüber Reportern, da die USA „die größte und mächtigste Nation“ seien. Nach Informationen der Washington Post hat er sich für die mit 250 Fuß höchste von drei vorgelegten Varianten entschieden, wobei die Zahl auf das 250-jährige Jubiläum der US-Unabhängigkeit verweist, das im Juli 2026 ansteht. Das Monument soll am Memorial Circle entstehen, einem Kreisverkehr zwischen der Arlington Memorial Bridge und dem Nationalfriedhof Arlington, direkt gegenüber dem Lincoln Memorial auf der anderen Seite des Potomac.

Die Dimensionen würden die Umgebung erheblich verändern. Mit 76 Metern wäre der Bogen mehr als doppelt so hoch wie das Lincoln Memorial, das rund 30 Meter misst, und würde auch das Weiße Haus mit seinen 21 Metern bei Weitem überragen. Selbst das Monumento a la Revolución in Mexiko-Stadt, derzeit der höchste Triumphbogen der Welt, käme mit 67 Metern nicht an die geplanten Ausmaße heran. Washington ist die einzige große westliche Hauptstadt ohne einen solchen Bogen, was einige Historiker als Versäumnis betrachten, während andere darin eine bewusste Zurückhaltung der amerikanischen Erinnerungskultur sehen, die eher auf Mahnung als auf Triumph setzt.

Vom Aquarell zum Präsidentenprojekt

Die Idee reicht bis in den Frühling 2025 zurück, als der Kunstkritiker Catesby Leigh in der konservativen Zeitschrift The American Mind einen bescheidenen, temporären Bogen von rund 18 Metern Höhe vorschlug. Im September griff der Architekt Nicolas Leo Charbonneau, Partner bei Harrison Design, den Gedanken auf und veröffentlichte ein Aquarell-Rendering eines neoklassizistischen Bogens am Memorial Circle auf der Plattform X. Wenige Wochen später, am 15. Oktober, präsentierte Trump persönlich ein Modell auf seinem Schreibtisch im Oval Office und ließ bei einem Spendenessen im East Room drei unterschiedlich dimensionierte Modelle vorführen, wobei er nach eigenen Worten das größte „mit Abstand am besten“ fand. Auf die Frage eines CBS-Reporters, für wen der Bogen sei, zeigte der Präsident auf sich selbst und antwortete schlicht: „Me.“ Der Spitzname „Arc de Trump“ setzte sich daraufhin in der Berichterstattung fest.

Am 23. Januar veröffentlichte Trump drei neue Entwürfe auf Truth Social, die sich alle proportional am antiken Titusbogen in Rom orientieren: Kannelierte Pilaster, ein großer zentraler Bogen und Adler in den Zwickeln, ergänzt durch reflektierende Wasserbecken am Fuß. Eine Variante fällt durch Goldverzierungen und die Inschrift „INDEPENDENCE ARCH“ auf, ein Gestaltungselement, das an Trumps Neugestaltung des Oval Office erinnert.

Kritik an Dimension und Standort

Selbst Befürworter eines Triumphbogens haben sich inzwischen von Trumps Plänen distanziert. Catesby Leigh, dessen Vorschlag den Anstoß für das Projekt gegeben hatte, erklärte gegenüber der Washington Post, ein Bogen dieser Größe gehöre nicht an diesen Standort. Der pensionierte Architekturhistoriker Calder Loth warnte, das Bauwerk würde den Blick auf Arlington House verdecken und das historische Gebäude auf dem Nationalfriedhof „wie ein Puppenhaus“ wirken lassen. John Haigh, Leiter des Architekturprogramms am Benedictine College, bezeichnete das Areal als einen „sehr ernsten Korridor“, in dem ein Monument dieser Dimension problematisch sei. Das Weiße Haus konterte die Kritik: Kommunikationsdirektor Steven Cheung schrieb auf Social Media, Experten, die den Bogen zu groß fänden, seien „es gewohnt, mit kleinen Dingen zu leben“.

Ungeklärt bleibt die Frage der Genehmigungen. Das Gelände wird vom National Park Service verwaltet, und mehrere Bundesgremien müssten dem Projekt zustimmen, darunter die Commission of Fine Arts, deren sechs Mitglieder das Weiße Haus allerdings bereits im Oktober 2025 entlassen hatte. Zudem liegt der geplante Standort unter einer Einflugschneise des Reagan National Airport, was angesichts des Flugunglücks über dem Potomac im Januar 2025 mit 67 Toten zusätzlich brisant ist. Laut CBS News wurde bei der Luftfahrtbehörde FAA bislang nichts eingereicht. Die Finanzierung soll privat erfolgen, aus nicht verwendeten Spenden des 400 Millionen Dollar teuren Ballsaal-Projekts auf dem Gelände des Weißen Hauses, das unter anderem von Google und Amazon mitfinanziert wird.

Der Triumphbogen fügt sich in eine Serie von Architekturprojekten ein, mit denen Trump das Gesicht der US-Hauptstadt verändert. Für den Ballsaal wurde der East Wing des Weißen Hauses abgerissen, der Rosengarten ist gepflastert, das Oval Office in Gold gehalten. Am Montag folgte die Ankündigung, das inzwischen in „Trump Kennedy Center“ umbenannte Kulturzentrum für zwei Jahre zu schließen und für 200 Millionen Dollar umzubauen. Einen konkreten Zeitplan für den Triumphbogen nannte Trump bislang nicht, obgleich er Ende Dezember angekündigt hatte, der Bau werde innerhalb von zwei Monaten beginnen.

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