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Art Basel Qatar: Premiere in Doha mit 87 Galerien und Solo-Format

Die Art Basel hat in Doha ihre fünfte Destination eröffnet: 87 Galerien aus 31 Ländern zeigen ausschließlich Solo-Präsentationen. Erstmals verantwortet ein aktiver Künstler die künstlerische Leitung einer Art-Basel-Messe.

Der ägyptische Künstler Wael Shawky hat die Premiere am Persischen Golf unter das Thema „Becoming“ gestellt und damit ein Format konzipiert, das sich grundlegend von den vier bestehenden Standorten in Basel, Miami Beach, Paris und Hongkong unterscheidet. Die Messe erstreckt sich über mehrere Gebäude im Kreativviertel Msheireb Downtown Doha, darunter den Kreativhub M7 und das Doha Design District; nach der VIP-Vorschau am 3. und 4. Februar ist sie vom 5. bis zum 7. Februar öffentlich zugänglich.

Statt der üblichen Gruppenausstellungen in geschlossenen Kojen zeigt jede Galerie nur einen Künstler, zumeist an lediglich zwei Wänden in einem offenen Raumgefüge, das eher an eine kuratierte Museumsausstellung erinnert als an einen Messeparcours. Die Verlangsamung ist Programm: Bänke ersetzen die typischen Arrangements aus Stühlen und Tischen, das Konzept stellt Fokus und Kontext über Geschwindigkeit und Akkumulation. Mehr als die Hälfte der vertretenen Künstler stammen aus der MENASA-Region, also dem Nahen Osten, Nordafrika und Südasien, darunter 16 Galerien, die erstmals an einer Art Basel teilnehmen.

Ein Künstler statt eines Kurators

Die Wahl Shawkys ist ein Novum in der Geschichte der Art Basel. Der 1971 in Alexandria geborene Künstler, dessen Filmtrilogie „Cabaret Crusades“ die Kreuzzüge aus arabischer Perspektive mit handgefertigten Marionetten erzählt, hat sich in den vergangenen Jahren in Katar verwurzelt: Seit November 2024 leitet er als erster Artistic Director die Fire Station, die Künstlerresidenz von Qatar Museums. Sein Konzept „Becoming“ reflektiert die rasante Transformation der Golfregion während der vergangenen drei Jahrzehnte und fragt, was Gesellschaften im Prozess des Wandels gewinnen und verlieren.

Parallel zur Messe feierte Jenny Holzer am Museum of Islamic Art die Weltpremiere ihrer Installation „SONG“, bei der über 700 Drohnen eine choreografierte Formation über dem Arabischen Golf aufführen, während Lichtprojektionen Texte des palästinensischen Dichters Mahmoud Darwish und der emiratischen Dichterin Nujoom Alghanem auf die Fassade des I.M.-Pei-Baus werfen. Es ist nach fünf Jahrzehnten künstlerischer Praxis Holzers erstes dokumentiertes Werk mit Drohnen.

Starke DACH-Präsenz und globale Schwergewichte

Die deutschsprachige Galerieszene ist mit rund elf Teilnehmern vertreten, darunter Hauser & Wirth mit Philip Guston, Thaddaeus Ropac mit Raqib Shaw, Sprüth Magers mit Otto Piene und Esther Schipper mit Anicka Yi. Auch neugerriemschneider, die Galerie Eigen + Art mit Neo Rauch und die Hamburger Sfeir-Semler Gallery gehören zu den Ausstellern. Unter den internationalen Teilnehmern finden sich Gagosian mit Christo, David Zwirner mit Marlene Dumas und Acquavella Galleries mit einer Basquiat-Präsentation.

Die Teilnahmegebühren von 15.000 bis 25.000 US-Dollar liegen weit unter dem üblichen Art-Basel-Niveau, zudem werden Transport und Unterkünfte subventioniert – ein Anreiz, der das ursprünglich auf 50 Galerien geplante Feld weit übertraf. Hinter der Expansion steht auch die finanzielle Lage der MCH Group als Eigentümerin der Art Basel, die seit 2017 Verluste von rund 420 Millionen Schweizer Franken angehäuft hat.

Menschenrechtsdebatte begleitet die Premiere

Die Eröffnung wird von Kritik an der Menschenrechtslage in Katar begleitet. Homosexualität ist nach dem katarischen Strafgesetzbuch mit bis zu drei Jahren Haft bedroht, Human Rights Watch dokumentierte 2022 zudem willkürliche Verhaftungen und Misshandlungen. Nacktdarstellungen und religiöse Bildmotive sind in Katar verboten, was Galerien zur Anpassung ihrer Präsentationen zwingt: David Zwirner etwa zeigt Marlene Dumas nicht mit Akten, sondern mit politischen Arbeiten. Art Basel betont, die Sicherheit der eigenen Community habe „absolute Priorität“, ließ aber offen, wie bei einem Konflikt zwischen Landesrecht und eigenem Verhaltenskodex vorgegangen würde.

Erste Berichte vom VIP-Tag beschreiben zurückhaltende Verkäufe bei großem Interesse. Die Messe ist als langfristiges Projekt angelegt: Mittelfristig soll sie auf die im Bau befindliche Al Maha Island umziehen und auf das Niveau der Standorte in Paris oder Miami Beach wachsen.

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