Der Bildhauer Hubertus von Pilgrim ist am 1. Januar im Alter von 94 Jahren in Pullach bei München gestorben. Internationale Bekanntheit erlangte er durch seine Mahnmale für die Opfer des Dachauer Todesmarsches.
Pfarrer Björn Mensing von der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau bestätigte den Tod gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Die Trauerfeier findet am 19. Januar auf dem Friedhof Pullach statt.
Von Pilgrims Hauptwerk sind 22 identische Bronzeskulpturen, die entlang der Route des Todesmarsches vom April 1945 aufgestellt wurden, wobei die wankenden Häftlingsfiguren an die rund 25.000 Menschen erinnern, die kurz vor Kriegsende von Dachau Richtung Alpen getrieben wurden. Das erste Mahnmal wurde 1989 in Gauting enthüllt, weitere folgten bis 2005 an Standorten von München-Allach bis Waakirchen. Ein Abguss steht seit 1992 in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem – von Pilgrim war der erste deutsche und christliche Künstler, dessen Werk dort aufgenommen wurde.
Geboren am 24. August 1931 in Berlin, studierte von Pilgrim an der Hochschule der Künste Berlin als Meisterschüler von Bernhard Heiliger. Mit seiner Berufung 1963 nach Braunschweig wurde er zum jüngsten Akademieprofessor Deutschlands, von 1977 bis 1995 lehrte er an der Münchner Kunstakademie. Zu seinen weiteren Werken zählen das Konrad-Adenauer-Denkmal in Bonn und über 100 Porträtmedaillen.
Für sein Lebenswerk erhielt von Pilgrim 1995 den Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste sowie 1997 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Mit ihm verliert die deutsche Gedenkkultur einen Bildhauer, dessen Todesmarsch-Mahnmale zum festen Bestandteil der Erinnerungslandschaft im Münchner Südwesten geworden sind.

