Ein internationales Forscherteam hat auf einer Renaissance-Zeichnung genetische Spuren gefunden, die möglicherweise von Leonardo da Vinci stammen. Die Studie verbindet erstmals DNA auf Kunstwerken mit historischen Familienreliquien.
Die am 6. Januar auf dem Preprint-Server bioRxiv veröffentlichte Untersuchung analysierte eine Rötelzeichnung namens „Holy Child“ aus einer New Yorker Privatsammlung, wobei die Forscher rund 90.000 Basenpaare menschlicher Y-Chromosom-DNA isolieren konnten, die sie einer in der Toskana verbreiteten genetischen Linie zuordnen. Die Sequenzen gehören zur Haplogruppe E1b1b und stimmen mit DNA-Spuren auf historischen Briefen eines Verwandten aus dem 15. Jahrhundert überein, die im Staatsarchiv von Prato aufbewahrt werden.
Das seit 2014 laufende „Leonardo da Vinci DNA Project“ unter Leitung von Jesse H. Ausubel von der Rockefeller University vereint Genetiker, Forensiker und Kunsthistoriker aus sechs Ländern. Im April 2024 entnahm der Mikrobiologe Norberto Gonzalez-Juarbe vom J. Craig Venter Institute mit nicht-invasiven Abstrichmethoden biologische Proben von der Zeichnung, die einen Kinderkopf im charakteristischen Sfumato-Stil mit linkshändiger Schraffur zeigt.
Kein Beweis, aber ein wichtiger Hinweis
Die Forscher selbst mahnen zur Vorsicht, zumal Oberflächen-DNA auf Kunstwerken durch Jahrhunderte der Handhabung kontaminiert sein kann und ein gesicherter genetischer Referenzpunkt fehlt. Leonardo da Vinci starb 1519 kinderlos, doch sein Vater zeugte mindestens 23 Kinder mit mehreren Frauen, deren Nachkommen bis heute leben. Im Mai 2025 dokumentierte das Buch „Genìa Da Vinci“ einen Stammbaum über 21 Generationen, wobei sechs lebende männliche Nachfahren identische Y-Chromosom-Segmente teilen.
Eine bestätigte Leonardo-DNA hätte weitreichende Konsequenzen für die Authentifizierung von Kunstwerken, da der Künstler nachweislich seine Finger beim Malen nutzte und Hautzellen in Farbschichten eingebettet sein könnten. Die französischen Behörden haben eine DNA-Untersuchung von Leonardos Grab im Schloss Amboise erst dann in Aussicht gestellt, wenn seine DNA aus anderen Quellen zweifelsfrei identifiziert wurde.



