
Wo sich Musik und Kunst treffen …
Betritt man die Ausstellung „Off Score“ von Annika Kahrs im Hamburger Bahnhof in Berlin, dann wird man zuerst nach seiner Sprache gefragt und erhält dann ein großes schnurloses Headset, mit dem man durch die Ausstellung geht. Je nachdem, wo man sich aufhält, hört man eine entsprechende Video-Klang-Installation der Künstlerin. Vorteilhaft ist an dieser Idee vor allem, dass man nicht den Klang verschiedener Videoarbeiten zusammen hört, sondern sich immer ganz und gar auf eine Arbeit konzentrieren kann.
Annika Kahrs (* 1984) hat in Wien (bei Harun Farocki), in Braunschweig und in Hamburg (bei Andreas Slominski) Kunst studiert. In Hamburg hat sie dann auch 2012 ihr Studium erfolgreich abgeschlossen. Schon 2011 erhielt sie den Bundeskunstpreis des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
Die in Berlin lebende und dort auch arbeitende Künstlerin Annika Kahrs gehört zu den wichtigsten aufstrebenden Künstlerinnen in Deutschland. Unterstrichen wird das einerseits durch die große Ausstellung im Hamburger Bahnhof und andererseits dadurch, dass zeitgleich in Deutschland noch zwei weitere Ausstellungen mit ihrer Kunst laufen.
Im Hamburger Bahnhof, einer der Top-Adressen deutscher Kunstinstitutionen, werden sechs ihrer Arbeiten ausgestellt: fünf Videoinstallationen und eine Klanginstallation. Zudem wird im Rahmen dieser Berliner Ausstellung eine weitere Videoinstallation im Musikinstrumenten-Museum und eine letzte auf einer Videowand an der Ecke Kudamm/Joachimsthaler Straße gezeigt.
Die Arbeiten unterstreichen den Anspruch Kahrs, das Verhältnis und damit den Spannungsbogen Mensch, Ort und Musik/Geräusche künstlerisch zu erforschen. Dabei geht es um Fragen, was der Ort mit Musik macht und umgekehrt auch die Musik mit einem Ort und natürlich beides mit dem Menschen. Spannende Fragen an der Schnittstelle von Kunst und Musik.
Eine zweite Ausstellung findet im Kunstmuseum Magdeburg statt, wo aus der hauseigenen Sammlung mit „Infra Voice“ (2018) ein Kunstwerk von Annika Kahrs gezeigt wird. „Infra Voice“ hat als Ausgangslage, dass Giraffen mit Tönen unterhalb 16 Hz kommunizieren und somit in einer Tonlage, die das menschliche Gehör nicht wahrnehmen kann. Mit einem besonderen Instrument, dem Oktobass, wurde ein eigens in Auftrag gegebenes Stück von Guro Skumsnes Moe (* 1983 in Norwegen) gespielt, aufgenommen und Giraffen vorgespielt.
Mit „Sonant“ zeigt die Städtische Galerie Nordhorn die dritte derzeit laufende Ausstellung Annika Kahrs. Immerhin werden auch in Nordhorn sechs Arbeiten der Künstlerin gezeigt, die allerdings nur noch bis zum 8. Februar zu sehen sind. Jedoch sind nur drei der Werke Videoinstallationen, darunter auch die sehr frische Arbeit „Les Fanfares“ (2025), die für die letztjährige 2. Biennale Son in Sion angefertigt wurde. Ansonsten werden auch Sieb- und Digitaldrucke und sogar kleine Objekte aus handgeätztem Echtantikglas von Annika Kahrs gezeigt.
Annika Kahrs ist schon länger kein Geheimtipp mehr. Ihre Videos sind ausdrucksstark und verknüpfen auf einzigartige Weise Kunst und Musik.
Christian Corvin lebt und arbeitet im Rheinland.
Annika Kahrs. Off Score
14.11. – 3.5.2026
Hamburger Bahnhof
Invalidenstr. 50
D-10557 Berlin
Tel.: +49-30-266424242
Di – Fr 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 16 €, erm. 8 €
www.smb.museum
Annika Kahrs. Infra Voice
bis zum 8.2.2026
Kunstmuseum Magdeburg
Regierungsstr. 4-6
39104 Magdeburg
+49 391.56 50 20
Di – Fr 10 – 17 Uhr, Sa + So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 8 €, erm. 4 €
www.kunstmuseum-magdeburg.de
Annika Kahrs. Sonant
13.12.2025 – 8.2.2026
Städtische Galerie Nordhorn
Vechteaue 2 (Alte Weberei)
D-48529 Nordhorn
Tel.: +49-5921-971100
Mo – Do 9 – 13 Uhr + 14 – 17 Uhr, Fr 9 – 13 Uhr
Eintritt frei
www.staedtische-galerie.nordhorn.de
Text: Christian Corvin
Bild: Hamburger Bahnhof
Erstveröffentlichung in kunst:art 107






