
Alles gekauft!
Ankäufe sind ein heikles Thema bei Museen. Erstens fehlt häufig das Geld, um sich gegen Privatsammler durchzusetzen. Zweitens quellen die Magazine über, viele Kunstwerke können nur selten gezeigt werden. Und drittens findet häufig mit neuer Besetzung der Leitung eines Hauses auch eine Neubewertung der Sammlung statt. Das kann der Sammlung gut bekommen, muss es aber nicht. Zumindest tut es der Sammlung eines Hauses gut, wenn ab und zu mal in den Gewölben des Hauses gekramt und gesichtet wird und eine Sammlungspräsentation als Ausstellung dabei herauskommt.
Die diesjährige Ausstellung in Schaffhausen kann dabei mit einigen Namen wuchern. So ist zum Beispiel Peter Paul Rubens (1577–1640) unter den Neupräsentationen. Auch Hans Baldung Grien (1484–1545) aus Schwäbisch Gmünd, der dann früh schon nach Straßburg zog, ist unter den Einkäufen. 1503 zog es den Künstler nach Nürnberg, weil er unter Albrecht Dürer arbeiten wollte und später auch sein offizieller Nachfolger nach dessen Tod wurde.
Titelgebend für die Ausstellung ist aber ein Werk aus dem Œuvre von Ulrich Meister (1947–2023), einem gebürtigen Schaffhausener, der ein paar Stelzen, also ein Kinderspielzeug, zeichnete. Vermutlich werden in diesem Spielzeug viele Betrachter zuerst ein paar Krücken für Erwachsene, vielleicht für Kriegsversehrte, sehen. Es ist eine Ausstellung voll von spannenden Exponaten, die vor allem dadurch zusammengehalten wird, dass alle Werke Erwerbungen der letzten Jahre sind.
Hoffnung als Krücke. Neupräsentation Sammlung Gegenwartskunst
13.12.2025 – 6.9.2026
Museum zu Allerheiligen
Klosterstr. 16
CH-8200 Schaffhausen
Tel.: +41-52-6330777
Di – So 11 – 17 Uhr
Eintritt: 12 CHF, erm. 9 CHF
www.allerheiligen.ch
Text: Christian Corvin
Bild: Museum zu Allerheiligen
Erstveröffentlichung in kunst:art 107






