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Zensiertes Da-Vinci-Kunstwerk beim Sender Rai empört italienische Politik

Im Olympia-Vorspann des italienischen Senders Rai fehlen dem Vitruvianischen Menschen die Genitalien. Italiens Opposition wirft dem Staatssender Kunstzensur vor und fordert Antworten der Regierung.

In der animierten Eingangssequenz, die Rai seit Beginn der Winterspiele Mailand-Cortina am 6. Februar vor allen Live-Übertragungen ausstrahlt, erscheint Leonardos berühmte Proportionsstudie von 1490 ohne die im Original klar erkennbare männliche Anatomie, da die Genitalien digital durch eine glatte Fläche ersetzt wurden. Die Tageszeitung Corriere della Sera machte den Befund am 12. Februar öffentlich, woraufhin sich die Entdeckung innerhalb weniger Stunden zur politischen Affäre ausweitete.

Rai wies die Vorwürfe in einer Pressemitteilung als „an den Haaren herbeigezogene Polemik“ zurück und erklärte, der Vorspann stamme vollständig von Olympic Broadcasting Services (OBS), dem Produktionsdienst des IOC, der allen Sendern weltweit dasselbe Grafikpaket zur Verfügung stelle. OBS bestätigte gegenüber Reuters, die Grafik sei als Hommage an das Original gedacht und nicht als direkte Reproduktion, wobei man die Freigabe des italienischen Kulturministeriums erhalten habe. Ob diese Genehmigung die Entfernung der Genitalien ausdrücklich autorisierte, blieb offen.

Opposition fordert Stellungnahme der Regierung

Die Oppositionspartei Partito Democratico reagierte mit einer parlamentarischen Anfrage an Kulturminister Alessandro Giuli. PD-Kulturpolitikerin Irene Manzi nannte den Eingriff „unverständlich und inakzeptabel“ und forderte Premierministerin Meloni auf, Italiens kulturelle Glaubwürdigkeit zu schützen. Die Fünf-Sterne-Bewegung griff noch schärfer an und verglich die Rai-Führung mit „Ayatollahs“, die Renaissancegenialität einer rückständigen Wohnzimmerzensur unterworfen hätten.

Auch Daniele Vanni, der Bürgermeister von Leonardos Geburtsort Vinci, verurteilte die Veränderung: Kunst werde nicht zensiert und nicht an die Empfindlichkeiten des Augenblicks angepasst, sondern kontextualisiert und gewürdigt. Die Affäre fällt in eine angespannte Phase beim Staatssender, dessen Sportjournalisten seit dem 9. Februar aus Protest gegen Rai-Sport-Chef Paolo Petrecca ihre Namenskennzeichnung unter Olympia-Beiträgen verweigern. Leonardos Proportionsstudie befindet sich in der Galleria dell’Accademia in Venedig und ziert unter anderem die Rückseite der italienischen Ein-Euro-Münze.

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