
Neugier mit reichlich Power
Ist das ein Expressionismus für unsere Tage? Klodin Erb, die 1963 in Winterthur geborene und heute in Zürich lebende Künstlerin baut jedenfalls auf die kunstgeschichtliche Tradition einer emotional hochgradig intensivierten Kunst, wie sie damals gepflegt wurde, bezieht aber ebenso unübersehbar zeitgenössisch flackernde Ungewissheiten ein, wie sie sich allein schon durch den fortwährenden Sprung zwischen den Gattungen ergeben. „Vorhang fällt Hund bellt“, die bisher größte institutionelle Soloschau Erbs, veranschaulicht schon im Titel ihr charakteristisches Verfahren, für gewöhnlich nicht zusammengehörige Dinge in verblüffende und irritierende Beziehung zueinander zu bringen.
Die in der extremen Nah- und zugleich Untersicht bizarr verzerrte Landschaft eines menschlichen Gesichts mit weit geöffnetem Mund beispielsweise, Pudelporträts, schweinsköpfige Herren – oder sind es herrenhafte Schweine? – und wilde Montagen aller Art bevölkern eine Bildwelt, die sich keinen Deut schert um allzu enge Grenzen, sondern mit Souveränität und Witz zwischen Kunstgeschichte und massenmedialer Gegenwart springt. Neben der Malerei gehören dazu Werke aus Textil, Collagen, Filme und Installationen. Einer hochgradig – und im derzeitigen historischen Moment sowieso – völlig unübersehbaren Welt mit unerschöpflicher und auf schräge Weise auch optimistischer Neugier gegenüberzutreten, das ist wohl der Kern des vielgestaltigen Schaffens dieser originellen Künstlerin.
Klodin Erb. Vorhang fällt Hund bellt
21.09. – 4.1.2026
Aargauer Kunsthaus
Aargauerplatz
CH-5001 Aargau
Tel.: +41-62-8352330
Di – So 10 – 17 Uhr, Do 10 – 20 Uhr
Eintritt: 17 CHF, erm. 12 CHF
www.aargauerkunsthaus.ch
Text: Dieter Begemann
Bild: Aargauer Kunsthaus
Erstveröffentlichung in kunst:art 106






