Gustav Klimts lebensgroßes Porträt durchbricht als zweitteuerstes jemals versteigertes Kunstwerk die 200-Millionen-Marke und setzt neue Maßstäbe für österreichische Kunst am internationalen Auktionsmarkt.
Am 18. November 2025 schrieb das New Yorker Auktionshaus Sotheby’s Kunstmarktgeschichte: Gustav Klimts „Portrait of Elisabeth Lederer“ (1914-1916) erzielte nach einem 20-minütigen Bietergefecht zwischen sechs Interessenten einen Zuschlag von 236,4 Millionen US-Dollar inklusive Gebühren – umgerechnet etwa 224,3 Millionen Euro zum aktuellen Wechselkurs. Das lebensgroße Porträt der jungen Wiener Industriellentochter ist damit nicht nur das teuerste Werk in der 280-jährigen Geschichte von Sotheby’s, sondern auch das zweitteuerste jemals bei einer Auktion verkaufte Kunstwerk weltweit. Nur Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“ erzielte 2017 mit 450,3 Millionen Dollar einen höheren Preis.
Das Gemälde aus der Sammlung des verstorbenen Kosmetikmagnaten Leonard A. Lauder übertraf die ohnehin ambitionierte Schätzung von 150 Millionen Dollar deutlich und markiert einen neuen Höhepunkt für die österreichische Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Elisabeth Lederer, geboren Bachofen-Echt, entstammte einer wohlhabenden jüdischen Industriellenfamilie und saß zwischen 1914 und 1916 für Klimt Modell. Das Werk gehört zu einer Serie von nur fünf lebensgroßen Porträts, die Klimt in seinen letzten Lebensjahren schuf – nur zwei davon befanden sich noch in Privatbesitz. Die charakteristische Mischung aus naturalistischer Gesichtsdarstellung und ornamental-abstrakter Umgebung zeigt Klimts Meisterschaft auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Entwicklung. Der anonyme Käufer sicherte sich damit eines der bedeutendsten Werke des Wiener Jugendstils.
Der Rekordpreis sendet ein starkes Signal an den internationalen Kunstmarkt, der nach drei Jahren relativer Zurückhaltung wieder Anzeichen einer Erholung zeigt. Laut Sotheby’s-Chef Charles Stewart markiert das Ergebnis einen Wendepunkt: Nach einem Rückgang der weltweiten Auktionsumsätze um 30 Prozent zwischen 2022 und 2024 deutet der Klimt-Erfolg auf wiederkehrendes Vertrauen im obersten Marktsegment hin. Für den österreichischen Kunstmarkt bedeutet das Resultat eine außergewöhnliche Bestätigung der internationalen Wertschätzung für die Wiener Moderne. Klimt reiht sich damit endgültig in die Liga der wertvollsten Künstler aller Zeiten ein – neben Da Vinci, Picasso und Bacon. Die Versteigerung fand im neu bezogenen Sotheby’s-Hauptquartier im ehemaligen Breuer Building an der Madison Avenue statt, wo das Auktionshaus seit September 2025 seine New Yorker Auktionen abhält.


