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Herbstauktionen 2025: München und Wien trotzen dem globalen Marktabschwung

Auktionsrekorde

Während der internationale Kunstmarkt schwächelt, verzeichnen die führenden deutschsprachigen Auktionshäuser starke Ergebnisse. Ketterer, Dorotheum und Im Kinsky erzielten bei ihren Herbstauktionen mehrere Rekorde.

Die Herbstsaison 2025 zeigt den deutschsprachigen Kunstmarkt in einer robusten Verfassung, zumal der globale Auktionsmarkt laut Artnet Intelligence Report im ersten Halbjahr um 8,8 Prozent eingebrochen war. Deutschland verzeichnete hingegen nur einen Rückgang von vier Prozent, und die jüngsten Ergebnisse aus München und Wien deuten darauf hin, dass Sammler bei erstklassiger Qualität weiterhin bereit sind, hohe Summen zu investieren.

Bei Ketterer Kunst in München, das Anfang Dezember seine 600. Jubiläumsauktion feierte, summierten sich die Zuschläge auf rund 52,5 Millionen Euro. Allein an den beiden Hauptauktionstagen am 5. und 6. Dezember wurden 48 Millionen Euro umgesetzt, wobei acht Lose die Millionengrenze überschritten. Das teuerste Werk war Andy Warhols zehnteilige Farbserigrafie „Marilyn Monroe“ aus dem Jahr 1968, die ein Schweizer Sammler per Internetgebot für etwa 4,5 Millionen Euro erwarb und damit den Weltrekord von 4,7 Millionen Euro nur knapp verfehlte.

Wassily Kandinskys Bauhaus Gemälde „Behauptend“ von 1926 erreichte 3,1 Millionen Euro, während Hermann Max Pechsteins „Inder und Frauenakt“ aus dem Jahr 1910 bei 2,6 Millionen Euro zugeschlagen wurde. Den spektakulärsten Moment lieferte jedoch ein unscheinbares Los: Aristarkh Lentulovs „Datscha in Kislovodsk“ von 1913, das mit bescheidenen 20.000 Euro geschätzt war, endete nach einem hitzigen Bietgefecht bei 1,1 Millionen Euro.

Wien feiert historische Rekorde

Das Dorotheum meldete für seine Moderne Auktion am 18. November das beste Ergebnis in der Geschichte des Hauses, wobei der Gesamtumsatz die Marke von zehn Millionen Euro überstieg. Egon Schieles Gouache „Kauernder Rückenakt“ von 1917, die aus der renommierten Sammlung August und Serena Lederer stammte, erzielte 3,23 Millionen Euro und übertraf damit die obere Schätzung deutlich.

Neue Künstlerrekorde wurden für Herbert Brandl und Markus Prachensky aufgestellt, und die Contemporary Week zog Bieter aus nahezu 90 Ländern an.

Bei Im Kinsky sorgten zwei Ergebnisse für Aufsehen: Franz Sedlaceks Gemälde eines Wanderers über dem Nebelmeer erreichte mit 441.000 Euro einen neuen Weltrekord für den Künstler der Neuen Sachlichkeit. Gustav Klimts frühe Zeichnung „Wienerin en face“ wechselte für 705.600 Euro den Besitzer, was den dritthöchsten Preis für eine Klimt-Zeichnung weltweit und einen österreichischen Rekord darstellt. Koloman Mosers „Drei weibliche Akte in Landschaft“ führte die Klassische Moderne mit 572.000 Euro an.

Qualität als entscheidender Faktor

Die Ergebnisse bestätigen einen Trend, den Robert Ketterer auf den Punkt brachte: „Der neue Trend heißt: Künstler als Marke.“ Wer etablierte Namen wie Kandinsky, Schiele oder Klimt mit musealer Qualität anbieten kann, findet Käufer, wohingegen mittlere Qualitäten zunehmend schwerer zu vermitteln sind.

Gleichzeitig zeigt die wachsende Nachfrage nach Werken der Neuen Sachlichkeit und des Wiener Jugendstils, dass Sammler Alternativen zu den überhitzten Segmenten des internationalen Marktes suchen.

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