Hermann Gerlinger schenkt Chemnitz 42 Meisterwerke der Brücke-Künstler

Der Würzburger Sammler übergibt den Kunstsammlungen Chemnitz hochkarätige Expressionismus-Werke von Schmidt-Rottluff, Kirchner und Heckel – die Stadt als Wiege der Brücke-Bewegung erhält damit einen bedeutenden Zuwachs ihrer Sammlung zur Klassischen Moderne.

Die Kunstsammlungen Chemnitz erhielten am 17. November 2025 eine der bedeutendsten Schenkungen ihrer jüngeren Geschichte: Hermann Gerlinger, der renommierte Würzburger Unternehmer und Kunstsammler, übergab dem Museum 42 hochkarätige Werke der Künstlergruppe „Die Brücke“. Die Donation umfasst Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Druckgrafiken und Plastiken von Karl Schmidt-Rottluff, Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel – den drei Gründungsmitgliedern der revolutionären Expressionistengruppe, die alle ihre Jugend in Chemnitz verbrachten. Besonders hervorzuheben ist Schmidt-Rottluffs intimes Doppelporträt „Du und ich“ von 1919, das den Künstler mit seiner Frau Emy im Jahr ihrer Hochzeit zeigt. Die Schenkung wird seit dem 18. Oktober 2025 in einer eigenen Sonderausstellung präsentiert, die noch bis zum 1. Februar 2026 zu sehen ist.


Die Gerlinger-Schenkung markiert einen Höhepunkt in der systematischen Verteilung seiner über 1.000 Werke umfassenden Sammlung deutscher Expressionisten, die der Sammler seit 2022 an verschiedene deutsche Museen übergibt. Nach der Versteigerung großer Sammlungsteile bei Ketterer Kunst für über 40 Millionen Euro entschied sich Gerlinger, bedeutende Werkgruppen gezielt an Institutionen zu schenken, die einen besonderen Bezug zu den Künstlern haben. Für Chemnitz als „Keimzelle“ der Brücke-Bewegung ist die Schenkung von außerordentlicher kulturhistorischer Bedeutung: Schmidt-Rottluff wurde 1884 in Rottluff bei Chemnitz geboren, Kirchner 1880 in Aschaffenburg, wuchs aber in Chemnitz auf, und Heckel kam 1883 im sächsischen Döbeln zur Welt und lebte ebenfalls in der Stadt. Alle drei lernten sich am Chemnitzer Gymnasium kennen und gründeten später 1905 in Dresden die Künstlergruppe Brücke.


Zu den Höhepunkten der Schenkung zählen neben dem erwähnten Schmidt-Rottluff-Doppelporträt auch Kirchners frühe Lithographie-Serie „Bilder zu Sakuntala“ von 1907 sowie Heckels eindrucksvolle Holzschnitt-Folge „The Ballad of Reading Gaol“ aus demselben Jahr, inspiriert von Oscar Wildes gleichnamigem Gedicht. Die Werke erweitern die bereits bedeutende Expressionismus-Sammlung der Kunstsammlungen Chemnitz substanziell und stärken das Profil des Museums als eines der wichtigsten Zentren für die Kunst der Brücke in Deutschland. Museumsdirektorin Florence Thurmes betonte, dass die Schenkung gerade im Hinblick auf Chemnitz als Kulturhauptstadt Europas 2025 eine besondere Strahlkraft entfalte. Die Stadt, die sich unter dem Motto „C the Unseen“ präsentiert, kann mit dieser hochkarätigen Sammlung ihre oft übersehene Rolle als Geburtsort einer der wichtigsten Kunstbewegungen der Moderne neu positionieren.

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