Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat am 20. November 2025 seine 50-prozentigen Anteile an der Weimer Media Group für die Dauer seiner Amtszeit an einen Treuhänder übertragen. Der Schritt erfolgte nach Enthüllungen, dass Weimers Unternehmen beim Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 Zugänge zu Regierungsmitgliedern für bis zu 80.000 Euro anbot.
Das Recherche-Medium Apollo News hatte am 17. November 2025 interne Verkaufsunterlagen der Weimer Media Group veröffentlicht. Die Dokumente zeigten ein gestaffeltes Paket-System für den jährlichen Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee. Das teuerste „Mont-Blanc“-Paket für 80.000 Euro versprach laut den Unterlagen „Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger“ und exklusive Abendessen mit Ministern. Angekündigt waren Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) und weitere Kabinettsmitglieder.
Weimer war am 6. Mai 2025 von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Kulturstaatsminister ernannt worden. Er trat als Geschäftsführer der Weimer Media Group zurück, behielt aber 50 Prozent der Unternehmensanteile. Seine Ehefrau Christiane Goetz-Weimer übernahm die alleinige Geschäftsführung und hält die anderen 50 Prozent.
Timo Lange von der Transparenz-Organisation LobbyControl erklärte am 18. November: „Als Mitglied der Bundesregierung vom Verkauf von exklusiven Zugängen zu Kabinettskollegen finanziell zu profitieren, wäre eine absolute Grenzüberschreitung.“ LobbyControl kritisierte, dass Deutschland keine verbindlichen Offenlegungspflichten für Unternehmensbeteiligungen von Regierungsmitgliedern hat.
Die Opposition reagierte parteiübergreifend mit Rücktrittsforderungen. SPD-Politiker Ralf Stegner forderte „lückenlose Aufklärung“ und verwies auf den „Eindruck von Käuflichkeit und Vorteilsnahme“. Die FDP Bayern bezeichnete die Situation als „untragbar“. Jan van Aken (Die Linke) sprach von einer „widerlichen Schlangengrube“. Auch aus der Koalition kam Kritik: Die Grünen-Abgeordnete Katrin Göring-Eckardt warf Weimer „mangelndes Fingerspitzengefühl“ vor.
Die bayerische Staatsregierung kündigte eine Compliance-Prüfung ihrer finanziellen Unterstützung des Ludwig-Erhard-Gipfels an. Zwischen 2022 und 2025 flossen laut Recherchen etwa 700.000 Euro öffentlicher Gelder aus Bayern in die private Veranstaltung. Ministerpräsident Markus Söder fungiert als Schirmherr.
Weimer wies die Vorwürfe als „schlicht eine Lüge“ zurück und kündigte juristische Schritte an. Er betonte, keine Funktionen mehr im Unternehmen zu haben. Die Treuhänder-Lösung erfolge „allein, um jeglichen Anschein eines Interessenkonflikts zu vermeiden“. Bundeskanzler Merz äußerte sich nicht öffentlich zu den Vorwürfen gegen seinen langjährigen Freund.