
Blumen anderer Art
Flammende Blüten in leuchtenden Farben, bewegte Himmel in fliegendem Duktus: Die norddeutsche Landschaft und der eigene Garten versorgten Emil Nolde (1867–1956) zuverlässig mit Inspiration. Der Maler hatte sich 1930 zusammen mit seiner Frau Ada in seinem selbst entworfenen Künstlerhaus in Seebüll niedergelassen und schrieb sich später mit seinen farbgewaltigen Werken in das kollektive Gedächtnis deutscher Nachkriegsgesellschaft ein. Dabei feilte der Expressionist an einem lupenreinen Image: Er verheimlichte seine NSDAP-Parteizugehörigkeit und Begeisterung für die Nationalsozialisten, die ihn ihrerseits verfemt hatten.
Nun ist Anselm Kiefer (* 1945) in diesem Sommer mit der Ausstellung „Wasserfarben“ zu Besuch in Seebüll. Ein Novum, denn seit das Anwesen nach dem Tod Noldes 1956 in eine Stiftung und damit in eine museale Nutzung übergegangen ist, wird hier zum ersten Mal ein lebender Künstler gezeigt. Passenderweise tritt Anselm Kiefer dem Kollegen mit einer Auswahl von Landschafts-Aquarellen entgegen, einem Medium, das Nolde in puncto Farbigkeit und Duktus revolutionierte. Gleichzeitig könnte die Diskrepanz auf inhaltlicher Ebene nicht größer sein, da es wohl kaum einen deutschen Künstler gibt, der die Geschichtsklitterung der Wirtschaftswunderjahre mehr angeprangert hätte als Kiefer. Eine kluge Wahl also und eine spannende Begegnung über zwei Epochen hinweg.
Anselm Kiefer. Wasserfarben
07.05. – 31.8.2025
Nolde Museum Seebüll
Seebüll 31
D-25927 Neukirchen
Tel.: +49-4664-983930
Täglich 10 – 18 Uhr
Eintritt: 12 €, erm. 8 €
www.nolde-stiftung.de
Text: Dr. Julia Behrens
Bild: Nolde Museum Seebüll
Erstveröffentlichung in kunst:art 104






