Kunst direkt ins Postfach

Der kunst:letter – jeden Montag & Donnerstag

  • Ausstellungen
  • Kunstnews
  • Presseschau

Mit der Anmeldung erklären Sie sich mit unserer Datenschutzerklärung einverstanden.

Fast geschafft!

Wir haben Ihnen eine E-Mail mit einem Bestätigungslink geschickt. Bitte klicken Sie auf den Link, um Ihre Anmeldung abzuschließen.

Keine E-Mail erhalten?Schauen Sie bitte auch in Ihren Spam-Ordner.

Marian Goodman ist tot: Die US-Galeristin starb mit 97 Jahren

Die amerikanische Galeristin Marian Goodman ist am 22. Januar im Alter von 97 Jahren in Los Angeles gestorben. Mit ihr verliert die Kunstwelt eine ihrer prägendsten Figuren.

Goodman, die europäische Künstler wie Gerhard Richter und Anselm Kiefer auf dem amerikanischen Markt etablierte und damit eine transatlantische Brücke für die Avantgarde baute, starb friedlich in einem Krankenhaus, wie die Galerie in einer gemeinsamen Erklärung mit der Familie mitteilte. Die vier langjährigen Partnerinnen Rose Lord, Emily-Jane Kirwan, Leslie Nolen und Junette Teng werden das Unternehmen fortführen und würdigten die Verstorbene als „leidenschaftliche Fürsprecherin der Künstler mit einem untrüglichen Blick für Talent“.

Die Künstlerin Julie Mehretu, die von der Galerie vertreten wird, nannte Goodman auf Instagram „eine Löwin“ und schrieb, es sei ihr eine Ehre gewesen, einen Teil ihres Lebens mit ihr zu teilen. Nancy Spector, ehemalige Chefkuratorin des Solomon R. Guggenheim Museum, betonte, Goodman habe „die Messlatte gesetzt“ durch ihre tiefe Wertschätzung für konzeptuelle Kunst und ihre Loyalität gegenüber den vertretenen Künstlern.

Von der alleinerziehenden Mutter zur Galeristin

Marian Ruth Geller wurde am 15. Juni 1928 in New York geboren, wobei ihr Vater, ein aus Ungarn stammender Buchhalter, Werke von Milton Avery sammelte und sie so früh mit der Kunstwelt in Berührung kam. Nach ihrer Scheidung 1962 musste sie zwei Kinder allein versorgen und gründete 1965 den Kunsteditionsverlag Multiples, Inc., der von der Idee geleitet war, dass Kunst einem breiteren Publikum zugänglich sein sollte. Hier publizierte sie erstmals Editionen von Joseph Beuys, Marcel Broodthaers und Gerhard Richter neben Amerikanern wie Andy Warhol und John Baldessari.

Der entscheidende Wendepunkt kam 1977, als sie mit 49 Jahren ihre eigene Galerie in der New Yorker 57th Street eröffnete, nachdem sie vergeblich versucht hatte, für Marcel Broodthaers einen Galeriestandort in der Stadt zu finden. Broodthaers starb vor der Eröffnungsausstellung, doch Goodman führte ihr Vorhaben fort und war damit eine von nur wenigen Frauen, die zu dieser Zeit eine eigene Galerie betrieben.

Europäische Avantgarde für Amerika

Goodmans transformative Leistung bestand darin, europäische Künstler im amerikanischen Markt zu etablieren, zumal, wie sie selbst beschrieb, Amerikas Kenntnis zeitgenössischer europäischer Kunst damals aufgrund mangelnder Reisen und fehlenden Informationsaustauschs gering war. Gerhard Richter vertrat sie 37 Jahre lang, bis dieser 2022 zu David Zwirner wechselte, und sie förderte früh Anselm Kiefer sowie Vertreter der Arte Povera wie Giuseppe Penone. Später kamen Künstler wie William Kentridge, Steve McQueen, Tacita Dean und Julie Mehretu hinzu, wobei die Galerie sich auch als Pionierin für Video- und Filmkunst einen Namen machte.

Peter Schjeldahl vom New Yorker urteilte einst, Goodman sei möglicherweise die angesehenste zeitgenössische Händlerin in New York, was ihren Geschmack, ihre Standards und ihre Loyalität gegenüber den Künstlern betreffe. Richter selbst sagte über sie, sie habe eine Art moralische Ethik, es gehe ihr nicht nur ums Geschäft, und er könne sich nie vorstellen, bei Gagosian auszustellen.

Expansion ohne Mega-Galerie-Ambitionen

Was Goodman von Konkurrenten wie Larry Gagosian unterschied, war ihre bewusste Ablehnung aggressiver Expansion, wobei sie den Begriff „Galeristin“ dem der „Händlerin“ vorzog und sich auf den Primärmarkt sowie Museumsplatzierungen konzentrierte statt auf schnelle Weiterverkäufe. Die Galerie betreibt heute Standorte in New York, wo sie im Oktober 2024 neue Räume in Tribeca bezog, sowie in Paris und Los Angeles, während der Londoner Standort 2022 nach Brexit und Pandemie geschlossen wurde.

Frankreich würdigte ihre Verdienste um die kulturelle Vermittlung mit der Aufnahme in die Légion d’honneur 2013 und der Ernennung zum Commandeur des Ordre des Arts et des Lettres 2023. Die Galerie vertritt weiterhin über 50 Künstler und Nachlässe, steht aber nach dem Weggang von Präsident Philipp Kaiser im Mai 2025 und prominenten Künstlerabgängen der vergangenen Jahre vor der Aufgabe, das Vermächtnis der Gründerin ohne deren charismatische Präsenz fortzuführen. Die Familie bittet anstelle von Blumen um Spenden an die Andrew Goodman Foundation und die Humane Society.

Anzeige
Anzeige