
Verlust und Erinnerung
Ein Foto zeigt den amerikanischen Maler und Grafiker Ross Bleckner vor einer seiner Arbeiten: Aus einem dunkelblauen Hintergrund scheint eine unendliche Anzahl von Gesichtern entspringen zu wollen – ihr Ausdruck umfasst eine ganze Skala der Emotionen, von Verwunderung bis zur extremen Angst inmitten eines unbekannten Raumes, wo jeder der Blicke seiner Protagonisten nach rechts oder links, nach unten oder nach oben den gleichen psychotischen Zustand wie sich selbst vorfindet.
Bleckner ist in der New Yorker Kunstszene während der Aids-Krise in den 1980er-Jahren, als das Sterben infizierter Kollegen einen traurigen Höhepunkt erreichte, mit dem oft prekären Zustand der Kunstschaffenden konfrontiert gewesen. Daher auch sein damaliges Credo, das auf die problembeladene Auffassung über einen gesunden Körper hingewiesen hat: „Die (abwegige) Idee, die besagt, dass der (menschliche) Körper perfekt ist, bis sich zeigt, dass er es nicht ist. Es gibt nur eine sehr fragile Membrane, die uns von einer Katastrophe scheidet.“
Zahlreiche Arbeiten von Bleckner thematisieren dieses Empfinden in verschiedenen Varianten: Es scheint, als ob sie durch die Anordnung roter Blutzellenelemente unter dem Mikroskop eine genaue Diagnose offenbaren könnten. Letztendlich haben nur jene, die diese Diagnose sehen und deuten können, auch Zugang zu seinem Werk. Ross Bleckner ist einer der wenigen Künstler, denen schon im Alter von 45 Jahren eine Ausstellung im Salomon R. Guggenheim Museum in New York organisiert wurde. Zahlreiche andere Museen folgten.
Ross Bleckner. It Used To Be
11.9. – 18.10.2025
Capitain Petzel
Karl-Marx-Allee 45
D-10178 Berlin
Tel.: +49-30-24088130
Di – Sa 11 – 18 Uhr
Eintritt frei
www.capitainpetzel.de
Text: Dr. Milan Chlumsky
Bild: Capitain Petzel
Erstveröffentlichung in kunst:art 105







